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A house in Jerusalem

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Sehr lapidar erzählt der israelische Regisseur Amos Gitai in seinem ersten Dokumentarfilm vom Umbau eines arabischen Hauses für seinen israelischen Besitzer und erzählt damit auch viel über den Nahostkonflikt. Eine absolute Empfehlung.

Das Geräusch eines Hammers, der auf einen mit großer Kraft langsam auf einen Meisel geschlagen wird, begleitet vom schweren Atem eines Mannes: der Jerusalemer Stein ist hart, Blöcke aus dem Fels zu treiben, ist Schwerstarbeit, die Werkzeuge der Handwerker dafür sind rudimentär. Seit Jahrhunderten dieselben, die Arbeiter haben Erfahrung und Muskelkraft, der Schweiß rinnt in Strömen über ihre wettergegerbten, ausdrucksstarken Gesichter. Mit dieser Einstellung beginnt „A House in Jerusalem“, ein Dokumentarfilm von Amos Gitai aus dem Jahr 1998. Er erzählt ganz lapidar von einem Haus in der Dor Dor Vedorshav Street in Jerusalem, genauer gesagt, in Ostjerusalem. Es war einmal ein arabisches Haus, nun gehört es einem Israeli, der es von arabischen Arbeitern zu einer mehrgeschossigen Villa umbauen lässt. Sie kommen aus den Flüchtlingslagern bei Jatta im Westjordanland, werden täglich frühmorgens auf die Baustelle und spätabends zurück gefahren. Dazwischen liegen viel Schweiß und Arbeit, der Regisseur fragt, wie es ihnen dabei ginge, für einen Juden ein muslimisches Haus umzubauen. Sie antworten einsilbig, aber mit einem gewissen Stolz. Es sei schließlich ein arabisches Haus, das sie hier genau genommen auseinandernehmen, um es nach den Wünschen des neuen Besitzers neu zu ordnen, aufzustocken und wieder zusammen zu setzen. Viel anstrengender und schwieriger, als gleich neu zu bauen, bemerken sie. Viele Steine sind aus dem Jerusalemer Fels zu schlagen.

Dieses Haus ist der Hauptdarsteller. © Filmstill "A House in Jerusalem"
Dieses Haus ist der Hauptdarsteller. © Filmstill „A House in Jerusalem“

Amos Gitai beobachtet mit Anteilnahme, hält die Kamera auf die Baustelle, nimmt alltägliche Anstrengung, Demütigung, Überheblichkeit, die herrschenden Hierarchien, Abhängigkeiten und Machtverhältnisse auf. Er redet mit den vorigen israelischen Besitzern – ein altes Immigrantenpaar aus Algerien und dem jetzigen israelischen Besitzer, einem sehr reichen Investor.

Amos Gitai ist gelernter Architekt und Sohn des Architekten Gitai Weinberg. Er weiß, wovon er erzählt, der Umbau des Hauses durch palästinensische Arbeiter ist auch ein Stück kultureller Aneignung, Auslöschung und Überschreibung einer arabischen Vergangenheit. Gitai sieht genau hin und legt vorsichtig die Geschichte dieses Hauses frei. Er erzählt dabei auch sehr viel über den Nahostkonflikt. Es ist die Geschichte einer Enteignung, der Regisseur sucht und findet den ursprünglichen Besitzer. Ein sehr kultivierter, alter Mann mit Gehstock, er kann jede Veränderung in Grundriss und Struktur des Hauses seiner Kindheit benennen. Herr Dejani ist hier geboren, er war Arzt, musste aber 1948 bei der Staatengründung Israels fliehen. Seine Praxis in Jerusalem gab er auf, zu teuer für einen Palästinenser, er ordiniert in Amann. Auch sein Sohn ist dort Arzt und wäre wohlhabend genug, um das Haus seiner Familie zurück zu kaufen. „Glauben Sie, ein Israeli verkauft einem Palästinenser ein Haus?“, bemerkt Herr Dejani in einer Mischung aus Resignation und abgeklärter Verbitterung.

„A House in Jerusalem“ wurde im Auftrag des israelischen Fernsehens gedreht. Gitai hätte die Palästinenser aus einem Film herausschneiden sollen. Er weigerte sich, sein Film wurde zensiert, doch er blieb ganz. Die DVD ist auf der Website des Regisseurs zu erwerben.

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