Die Bauruine des intendierten Luxuskaufhauses Hedy Lamarr an der Wiener Mariahilferstraße ist eine der traurigen Hinterlassenschaften des gekenterten Signa-Imperiums von René Benko. Der neue Besitzer lässt den Rohbau bis auf die Grundmauern abreißen. Ein Wendepunkt.
Behutsam hievt ein Baukran der Firma „Manitou“ ein neues Sicherungsgerüst über die staubige Baustelle an der Wiener Mariahilferstraße 10-18. Gerade wird die denkmalgeschützte Fassade für den Ausbau umgerüstet. Im hinteren Teil dessen, was über Wochen zu einer der traurigsten Baustellen Österreichs geworden ist, dröhnen noch immer die Demolierungsbagger. Das einstige Prestigeprojekt von René Benko, des vormals gefeierten Immobilienentwicklers und nunmehrig größten Pleitiers der letzten dreißig Jahre wird abgebaut bevor, es überhaupt in Betrieb genommen werden konnte. Mit Benkos Insolvenz geriet der Rohbau in die Konkursmasse, und der neue Bauherr Georg Stumpf wird hier viel diskreter als Benko kein Luxuskaufhaus, sondern nur eine „hochwertige“ Immobilie mit gemischter Nutzung errichten. Allerdings eine mit optimal optimierter Nutzung, denn der Abriss erlaubt nun die Errichtung eines zusätzlichen Geschoßes.



Als ob nicht (fast) die gesamte Architekturwelt gerade dringend zu mehr Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und CO2-Emissionsreduktion aufriefe, konnte im Fall dieses Bauprojekts scheinbar keine andere Lösung gefunden werden als einen aufwändigen Rohbau wieder einzustampfen. Das erscheint vielen Zeitgenoss:innen skandalös, Das höchst interessierte Kopfschütteln vieler Schaulustiger, das „Manitou“ und Co. Auslösen, konnte seit Anfang Oktober, seit dem Beginn des Abbruchs vom Lamarr-Skelett, jeden Tag auf der Mariahilferstraße beobachtet werden.
Aber vielleicht wird die Menschheit einst in dieser Rückabwicklung einen Turning Point der Architekturgeschichte erkennen. Einen, der vorgeführt haben wird, dass ein von spekulationsgetriebenen Developern dominiertes Bauwesen an ein Ende gekommen ist, und wir tatsächlich daran gegangen sein werden, diese Phase als Wendepunkt einer auf maximalen Gewinn ausgerichteten Immobilienentwicklung hinter uns zu lassen. So wie eine andere Baudemolierung der 19…







