Karl Schwanzer war eine Ausnahmeerscheinung in der hiesigen Architektenschaft der Nachkriegszeit. Ihm verdankt die Welt ikonische Bauten. Vor 50 Jahren nahm er sich das Leben. Regisseur Max Gruber widmete ihm das filmische Architektenpoem „Er flog voraus“, das Leben und Werk des kreativen Überfliegers in 73 Minuten begreifbar machen will.
Der „Vierzylinder“ für BMW in München ist eine rarer Geniestreich, eine plakative Idee, die den Geist einer technologiebegeisterten Dekade im Zeichen des Automobils auf den Punkt bringt. Dieses Meisterwerk der frühen 1970er stellt die Jahrzehnte später gebaute BMW-Welt von Coop-Himmelb(l)au noch immer in den Schatten. Deren Spektakelarchitektur repräsentiert das letzte Aufbäumen einer Industrie, deren Stern rapide sinkt. Auch der österreichische Expo-Pavillon von Karl Schwanzer für die Weltausstellung in Brüssel 1958 zeigte sich später als 20er-Haus höchst resilient. Längst unter Denkmalschutz gestellt, von Adolf Krischanitz modernisiert und erweitert, wird es als Belvedere 21 noch lange weiter bestehen. Karl Schwanzer erwies sich trotz seiner beleibten Statur als wesentlich fragiler, er verzehrte sich im Streben nach dem Superlativ und blieb gerade dadurch in Österreich auch immer Außenseiter.
Groß denken und bauen
Mit Drohnenflügen um sein atemberaubendes 20er-Haus beginnt „Er flog voraus“ – ein filmisches Architektenpoem von Max Gruber, das Leben und Werk dieses kreativen Überfliegers in 73 Minuten begreifbar machen will. Schwanzer war ein Kosmopolit, der die Grenzen seiner Heimat sprengte, er dachte groß und baute international. Für die Weltausstellung in Brüssel 1958 entwarf er den Österreichpavillon. Der filigrane, visionäre, demontable Stahlskelettbau wurde als bester Pavillon der Expo ausgezeichnet. Bravourös bestand er den Realitätscheck, 1962 begann er sein zweites, langes, erfolgreiches Leben als Museum moderner Kunst in Wien.








