Ed Wall, der Autor von „Architecture for Warfare“ ist Landschaftsarchitekt. Wie dieser Beruf, den man mit Frieden und Wachstum assoziiert, zu einem Teil der Kriegsindustrie werden kann, zeigt dieses Buch am Beispiel von AECOM.
Das Format passt in jede Handtasche, keine 130 Gramm bringt dieses Buch auf die Waage, sein Inhalt wiegt umso schwerer. „Architecture for Warfare“ von Ed Wall ist ein ernüchterndes Kompendium von Internet-Recherchen, die das erschreckende Ausmaß der zunehmenden Verflechtung von Architektur, Landschafts-, Stadt- und Ingenieurplanung mit der Kriegswirtschaft dokumentieren. Bauen hatte immer schon mit Macht zu tun, immer schon haben einige Architekten im Lauf der Geschichte ihre Moral für einen prestigeträchtigen oder einfach nur profitablen Auftrag rasch entsorgt. Dass sich mit Waffen viel Geld verdienen lässt ist auch nicht neu, dass große, global agierende Architekturbüros mit der Kriegsindustrie im selben Firmengeflecht agieren und davon massiv profitieren, schockiert dann doch. Beinahe noch schockierender ist, dass Ed Wall all seine Informationen problemlos im Internet fand.

Dieses Buch zeigt, wie Professionen, deren ureigenste Aufgabe es ist, Lebensraum zu schaffen, zu konstituierenden Bestandteilen eines zynischen Geschäftsmodells wurden, das die gleichzeitige Vernichtung von Lebensraum mit einkalkuliert. Letztere wird zur Grundbedingung von Architektur: denn was in bewaffneten Konflikten zerstört wurde, muss schließlich wieder aufgebaut werden. Wiederaufbau war lange ein Akt der Selbstermächtigung oder humanitären Hilfe – nun wird er zunehmend zu einem Glied in militärischen Wertschöpfungsketten.
Im Zentrum steht als exemplarisches Beispiel der US-Konzern AECOM, der sich auf seiner Website als „trusted global infrastructure leader in delivering a better world“ bezeichnet und sich mit technischer Exzellenz, digitaler Innovation und Nachhaltigkeit brüstet. „Work with us, change the world!“ Mit über 2500 Architekt:innen und Ingenieur:innen realisiert das Unternehmen in rund 300 Büros weltweit Großprojekte von Kulturbauten bis zu Krankenhäusern. Wall zeigt jedoch die weniger sichtbare Seite: AECOM ist eng mit militärischen Auftraggebern verflochten und deckt ein breites Spektrum kriegsrelevanter Dienstleistungen ab – von Planung und Bau über Logistik bis hin zu Wartung und Wiederaufbau.
Der Autor weiß, wovon er schreibt: er war selbst als Landschaftsarchitekt bei AECOM angestellt, bis ihm bei der Planung eines öffentlichen Platzes in Bagdad bewusst wurde, dass das Unternehmen dort massiv vom Krieg profitiert hatte. Gemeinsam mit Kolleg:innen begann er zu recherchieren – und stellte fest, wie leicht zugänglich all diese Informationen waren. Dass AECOM gezielt Personal mit militärischem Hintergrund rekrutiert, 9000 Veteranen – aufgrund deren „strong leadership, team-building and analytical skills“ – beschäftigt und als „Military Friendly Employer“ ausgezeichnet wurde, ist bereits auf deren Website zu entdecken. Die Grenzen zwischen ziviler Planung und militärischer Infrastruktur verschwimmen dabei systematisch.
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