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cover "architecture for warfare" jovis Verlag

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in buch

Architektur und Militär

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Ed Wall, der Autor von „Architecture for Warfare“ ist Landschaftsarchitekt. Wie dieser Beruf, den man mit Frieden und Wachstum assoziiert, zu einem Teil der Kriegsindustrie werden kann, zeigt dieses Buch am Beispiel von AECOM.

Das Format passt in jede Handtasche, keine 130 Gramm bringt dieses Buch auf die Waage, sein Inhalt wiegt umso schwerer. „Architecture for Warfare“ von Ed Wall ist ein ernüchterndes Kompendium von Internet-Recherchen, die das erschreckende Ausmaß der zunehmenden Verflechtung von Architektur, Landschafts-, Stadt- und Ingenieurplanung mit der Kriegswirtschaft dokumentieren. Bauen hatte immer schon mit Macht zu tun, immer schon haben einige Architekten im Lauf der Geschichte ihre Moral für einen prestigeträchtigen oder einfach nur profitablen Auftrag rasch entsorgt. Dass sich mit Waffen viel Geld verdienen lässt ist auch nicht neu, dass große, global agierende Architekturbüros mit der Kriegsindustrie im selben Firmengeflecht agieren und davon massiv profitieren, schockiert dann doch. Beinahe noch schockierender ist, dass Ed Wall all seine Informationen problemlos im Internet fand.

Dieses Buch zeigt, wie Professionen, deren ureigenste Aufgabe es ist, Lebensraum zu schaffen, zu konstituierenden Bestandteilen eines zynischen Geschäftsmodells wurden, das die gleichzeitige Vernichtung von Lebensraum mit einkalkuliert. Letztere wird zur Grundbedingung von Architektur: denn was in bewaffneten Konflikten zerstört wurde, muss schließlich wieder aufgebaut werden. Wiederaufbau war lange ein Akt der Selbstermächtigung oder humanitären Hilfe – nun wird er zunehmend zu einem Glied in militärischen Wertschöpfungsketten.

Im Zentrum steht als exemplarisches Beispiel der US-Konzern AECOM, der sich auf seiner Website als „trusted global infrastructure leader in delivering a better world“ bezeichnet und sich mit technischer Exzellenz, digitaler Innovation und Nachhaltigkeit brüstet. „Work with us, change the world!“ Mit über 2500 Architekt:innen und Ingenieur:innen realisiert das Unternehmen in rund 300 Büros weltweit Großprojekte von Kulturbauten bis zu Krankenhäusern. Wall zeigt jedoch die weniger sichtbare Seite: AECOM ist eng mit militärischen Auftraggebern verflochten und deckt ein breites Spektrum kriegsrelevanter Dienstleistungen ab – von Planung und Bau über Logistik bis hin zu Wartung und Wiederaufbau.

Der Autor weiß, wovon er schreibt: er war selbst als Landschaftsarchitekt bei AECOM angestellt, bis ihm bei der Planung eines öffentlichen Platzes in Bagdad bewusst wurde, dass das Unternehmen dort massiv vom Krieg profitiert hatte. Gemeinsam mit Kolleg:innen begann er zu recherchieren – und stellte fest, wie leicht zugänglich all diese Informationen waren. Dass AECOM gezielt Personal mit militärischem Hintergrund rekrutiert, 9000 Veteranen – aufgrund deren „strong leadership, team-building and analytical skills“ – beschäftigt und als „Military Friendly Employer“ ausgezeichnet wurde, ist bereits auf deren Website zu entdecken. Die Grenzen zwischen ziviler Planung und militärischer Infrastruktur verschwimmen dabei systematisch.

Als breit aufgestellter Konzern vereint AECOM Architektur, Ingenieurwesen und Bauausführung unter einem Dach. Diese Struktur ermöglicht es, nahezu alle Phasen eines Konfliktzyklus zu bedienen. Zwar produziert das Unternehmen keine Waffen, profitiert jedoch erheblich von der Abfolge aus Zerstörung und Wiederaufbau. Die Zahl der Regierungsaufträge wuchs, begleitet von intensiver Lobbyarbeit und massiv steigenden Verteidigungsbudgets. In seiner Hochphase beschäftigte der Konzern an die 90.000 Angestellte und setzte 20 Milliarden um.

Doch zunehmend fand sich auch negative Berichterstattung. Der Konzern stand aufgrund überhöhter Abrechnungen im Irakkrieg in den Medien, wurde im Zusammenhang mit Großaufträgen, etwa in Kuwait und Täuschungsvorwürfen bei Projekten für das US-Energieministerium geklagt, was zu millionenschweren Vergleichen führte. AECEOM erkannte, dass es ungesund gewachsen war und gliederte 2020 seine Management-Sparte aus, aus der das eigenständige Unternehmen Amentum hervorging. Genau in diesem Jahr begann Wall zu recherchieren. Immerhin aber war die Sparte mit etwa 25.000 Mitarbeitenden für 18% des Umsatzes verantwortlich.

Ein Großteil der Aufträge stammt weiterhin vom US-Verteidigungsministerium, doch selbst als als das von Präsident Trump geleitete Ministerium für Regierungseffizienz (DOGE) die USAID-Förderung faktisch bis 2025 einstellte und damit AECOMs Millionen-Dollar-Vertrag für den Wiederaufbau des Westjordanlandes und des Gazastreifens stornierte, der „die Palästinenser befähigen sollte, blühende Gemeinschaften aufzubauen, eine inklusive Entwicklung zu fördern und eine Zwei-Staaten-Lösung voranzutreiben“, konnte CEO Troy Rodd die Anleger und Anlegerinnen beruhigen: Der Konzern sei ausreichend diversifiziert und daher nicht von einzelnen Märkten oder Kunden abhängig.

Im Jahr 2025 wurde AECOM als „The World most admired Company“, mehrfach als eines der „ethischsten Unternehmen“ ausgezeichnet und erhält Bestnoten für Gleichstellung und Unternehmenspolitik, die Zufriedenheit der Mitarbeitenden. Gleichzeitig arbeitet es an ethisch höchst bedenklichen Projekten – von Gefängnissen bis hin zu militärischer Infrastruktur. Die stille Duldung dieser haarsträubenden Diskrepanz ist mehr als bedenklich. Insofern leistet dieses Buch in seinem aufklärerischen Anspruch und seiner genau dokumentierten Fallstudie einen wesentlichen Beitrag zu mehr Problembewusstsein.

Hierzulande sind Architekten und Architektinnen beeidet, auch Berufsverbände wie das Royal Institute of British Architects oder das Architects Registration Board verfügen über Ethikrichtlinien, doch deren Reichweiten und Wirkradien scheinen in der schieren Dimension globaler Großprojekte unterzugehen. Walls Buch legt nahe, dass diese angesichts globaler Firmenstrukturen und komplexer Auftragssysteme an ihre Grenzen stoßen. Ein Problem, das längst über die Architektur- und Ingenieurbranche hinaus geht.

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