Gute Architektur beginnt mit einer guten Bauherrenschaft. Der Linzer Dommeister Clemens Pichler beauftragte Peter Haimerl damit, die denkmalgeschützte Kathedrale zum Domplatz zu öffnen. Das Resultat ist zum Niederknien und Bauherr:innnenpreisträger 2025. Eine Ausstellung im Wiener Ringturm zeigt die besten.
Die katholische Kirche hat schon bessere Zeiten erlebt: 71.531 Menschen traten 2024 aus, das ist zwar signifikant weniger als 2023, aber immer noch genug. In Linz reagierte man darauf mit einer beherzten Gegenstrategie: Die Bischof-Rudigier-Stiftung, die für Erhaltung des dortigen Mariendoms zuständig ist, entschied sich dazu, ihre Kathedrale im wahrsten Sinn des Wortes zu öffnen und einen Schritt auf die Welt da draußen zu zu gehen. Im konkreten Fall: auf den Linzer Domplatz. Denn der Haupteingang in die hundert Jahre alte Kathedrale liegt im Norden, der Platz aber an seiner östlichen Längsflanke. In diesem Fall sind das hundertein Meter, der neugotische Sakralbau aus dem Baujahr 1924 ist nämlich die größte Kirche Österreichs und steht außerdem unter Denkmalschutz. Die Stiftung ließ sich davon nicht abschrecken. Sie hatte die Idee, das Gotteshaus an seiner Ostflanke zu öffnen, sodass ein direkter Zugang zum Domschatz und gleichzeitig ein einladender Ort für die Stadtbevölkerung entstehen könnte.





„Kirche war immer innovativ“, sagt Dommeister Clemens Pichler. „Meine Aufgabe war nur, dass der Dom wieder mehr in die Mitte der Stadt rückt.“, sagt Dommeister Clemens Pichler, der auch an ein kleines Café dachte. Nach dem zweiten Vatikanum ermöglichte die Kirche tatsächlich bahnbrechende Architektur, heute tritt sie als risikobereite Bauherrin so gut wie nie in Erscheinung. Pichlers Bekenntnis zur großen Tradition einer vergangenen Aufbruchszeit erfordert Mut, dem Projekt schlug anfangs ein sehr rauer Wind entgegen.
Als guter Bauherr wählte man den richtigen Architekten. Peter Haimerl fand eine höchst poetische Lösung, die nur in einer avancierten Betontechnologie auf der Höhe ihrer Zeit realisierbar war. Das neue Domcenter besteht aus einer zweischaligen, frei geformten Konstruktion, die leichtfüßig auf sehr dünnen Stützen am Domplatz aufsetzt. Die Schalen bilden eine Art Baldachin, die innen im Café eine weiche Decke bilden, außen aber wie umgestülpte Kreuzrippengewölbe wirken. Wie Vorhänge gleiten sie fließend neben den neugotischen Strebepfeilern die Fassade hinab, deren Querschnitt als Oberlichtstreifen das Informationscenter mit Café auch zum Himmel öffnet. Hier befindet sich auch ein Seiteneingang ins Innere, wo Haimerl auch die Ausstellungsmöbel für den Domschatz gestaltete. Der Bauherr: „Was wir mit dem Projekt erreichen wollten, was vielschichtig und sehr vieles. Vor allem, eine Kirche zu sein, die die Arme ausbreitet und sagt, wir freuen uns, dass ihr da seid.“ Das ist gelungen und wurde auch gewürdigt: da…






