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Theater Hamakom ©Eva Kees

Theater Hamakom ©Eva Kees

in orte

Bubi und Babsi

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Für Gregor Eichinger ist Emotion eine entscheidende Kategorie der Architekur. Man erlebt sie am unmittelbarsten an deren Benutzeroberfläche, der Eichinger den Großteil seiner kreativen Energie widmet. Das tut er konzentriert in seinem Büro in der Praterstraße und entspannt in dessen Dependance im Erdgeschoss, der Babsi-Bar.

„Architektur wird emotional geboren und emotional konsumiert“, ist Gregor Eichinger überzeugt. Für ihn ist Emotion ein essentieller, wenn nicht gar der entscheidendste Aspekt von Architektur. Das Büro von eichinger offices liegt im Mezzanin der Praterstraße 33, dem sogenannten „Alliiertenhof“. Das Spätgründerzeithaus des Baujahres 1896 von Architekt Ludwig Tischler hat eine Fassade von elaborierter Plastizität. Rustikagestein, Balustraden, Erker, Balkone, Rundbogenfenster, Schlussteine mit Männerhäuptern, Kolossalsäulen mit korinthischen Kapitellen, Freiplastiken.

So frisch wie auf diesem Foto ist das Café Ansari nicht mehr, aber durc noch schöner! ©Rupert Steiner

„Wir finden den emotionalen Inhalt der Benutzeroberfläche in der Ornamentik. Durch Reliefausbildung wird die schattenspendende dritte Dimension in die Oberfläche gebracht“, erklärt das Büro auf seiner Website. „Sie gibt der Benutzeroberfläche Tiefe. Die maschinell hergestellten und oft vorfabrizierten Oberflächen sind meist glatt wie ein Ei in ein Tragwerk hineingelegt. Der Architekt kümmert sich um die Maximierung der Kubatur und dann kommt die Einrichtungshenne und legt ihr Ei.“

Das ist bei Gregor Eichinger definitiv nicht so. Der unangefochtene Meister in der hohen Kunst, Opulenz, Sinnlichkeit, die Lust an Farbe, Material- und Formenvielfalt wieder in die Architektur zu bringen, trägt Schwarz. Und drei große Exemplare seines X-Rings an einer Hand. Zwei mal Schwarz, einmal Silber, XXX. Er entwarf sie, um ein Geheimnis nicht zu vergessen, das er natürlich nicht verrät. Sonst wäre es ja keines mehr.

Gregor Eichinger trägt schwarz ©Elfie Semotan
Gregor Eichinger trägt schwarz ©Elfie Semotan

Auf Eichingers Schreibtisch stapeln sich kegelförmige Hüte von Mühlbauer. Der Architekt machte daraus Stehlampen. Die Hutränder haben Magnete und haften so am schwarzen Stahlring des Stehers. Oben und unten, allein oder zu zweit, aus Stroh geflochten oder aus Filz, durchlöchert oder nicht, geben sie unterschiedliches Licht und sehen in jeder Kombination anders aus. „Man kann sie magnetisch konfigurieren oder als Hut aufsetzen“, sagt Eichinger. „Bubi-Lamp“ heißt diese Lampe. Namen sind dem Architekten wichtig. An manchen brütet er monatelang. „Bubi“ verweist auf den Bubikopf, in dem sich eine gesellschaftliche Revolution manifestierte. „Der Bubikopf bezeichnet den Beginn der Moderne“, sagt Eichinger. „Dieser Einschnitt umfasste von der neuen Art der Mobilität bis hin zur Frisurenmode der Damen alles.“

Hüte von Mühlbauer machen sich auch als Beleuchtungskörper gut: „Bubi-Lamp“ © Alfred Morina

Designversierte erkennen in der Armlehne des asymmetrischen Bugholzsessels am Tisch die charakteristische Lochung von Roland Rainers Stadthallenstuhl wieder. Als Hommage an ihn hat Eichinger sie in der schwarzen Version seiner Eigenkreation Li-Lith zitiert. Sie hat nur eine Armlehne, daher ist ihre Sitzfläche an zwei Seiten frei – und können zwei Li-Liths ein Paar bilden. Sie sind dann eine kleine Bank.

Unter dem Label „eichinger oder knechtl“ haben Gregor Eichinger und Christian Knechtl in Wien einige Marksteine im Lokaldesign gesetzt. Sie entwarfen das Café Stein (1985!), die Bar Ron Con Soda (1994), die Weinhandlung Unger & Klein (1992), das Palmenhaus (1998) und einige weitere Gemmen. 2005 trennten sich die beiden, ihr Büro lag am Schwedenplatz. „Das war ein ehemaliges Aussichtscafé“, sagt Eichinger, der ein bekennender Liebhaber und längst Experte der Wiener Kaffeehauskultur ist. Von dort hat er schon in den zweiten Bezirk hinübergesehen. Der ist für ihn mit dem Prater und den Donauauen die „wilde Ecke“ Wiens. Dass sie längst gezähmt fußläufig zur Inneren Stadt liegt, ist auch kein Nachteil.

Auch die Praterstraße 33 war einmal ein Kaffeehaus. Vermutlich das „Theatercafé“, im Nebenhaus war nämlich das Leopoldstädter-, später Carltheater. Im Mezzanin, wo heute „eichinger offices“ sind, wurde Billard gespielt, im Erdgeschoss befand sich das Café – und im kleinen Raum daneben der „Damensalon“. Damen duldete man damals in Kaffeehäusern nicht. Heute stehen auf der Glasscheibe dieses Gassenlokals die Worte „Bring your friends & bring your fingers“, sowie darunter am Boden zwei üppige Blumensträuße, deren Farben in der Sonne satt leuchten.

Schaufester der „Blumenkraft“ © Margherita Spiluttini

Im Büro finden sich großartige, langstielige Lilien. „Seit etwa 15 Jahren bekomme ich jeden Montag frische Blumen“, sagt Eichinger. Christine Fink, die begnadete Floristin, deren Blumengeschäft in der Wieden durch die extrem spartanische Gestaltung von eichinger oder knechtl zum Kultladen wurde, stiftet sie ihm. Von Eichinger stammt auch der Name des Geschäfts: Blumenkraft. „Ich hab einfach Flower Power übersetzt.“ Christine Fink revanchierte sich mit Babsi. So heißt nun die Bar hinter der Glasscheibe. Stehen tut das nirgendwo, man muss es wissen. Rechts und links hängen im Pliséestil akurat gefaltete, bodenlange Vorhänge in schillerndem, gedeckten Orange, an der Decke bildet ein Stoff derselben Farbe eine Art textiles Satteldach. Darunter steht ein Holztisch aus groben Latten, der schon 2006 auf der Architekturbiennale in Venedig war. Auch die Stirnwand ist verlattet und dient als Projektionsfläche für Musikvideos. Hier zahlt man seine Getränke mit Musik, eine Redakteurin der New Yorker Vogue, Menschen aus Beirut und Moskau zählten bereits zur illustren Gästeschar, die den Tisch mitunter auch zum Tanzboden machte. „Die ,Babsi Bar’ ist eine Bretterbar“, erklärt Eichinger. „Die Bretterbar ist der Start jedes städtischen Netzwerks. Ein Wirtshaus macht noch keine Stadt, auch ein Kaffeehaus muss noch keine Stadt machen. Eine Bar aber ganz sicher.“

Vor der Haustür des Büros ist ein U-Bahnab- oder Aufgang, schräg gegenüber der Nestroyhof. Dieses großartige Gebäude an der Grenze von Historismus und Jugendstil war 1898 eröffnet und vom jüdischen Architekten Oskar Marmorek geplant worden, ein Jahr später zog das Café Reklame im Erdgeschoss ein, mit Wirtshaus, Bierhalle und Restaurant im Wintergarten. 1904 begann mit dem „Intimen Theater“ die Theatergeschichte des Hauses, wo Maxim Gorki, August Strindberg oder „Die Büchse der Pandora“ ihre Erstaufführungen in Österreich erlebten. Im Keller befand sich die „Tanzbar Sphinx“, eine der beliebtesten Nachtbars dieser Zeit. Bis 1938 der Anschluss Österreichs an Nazi Deutschland jeder Form von jüdischer Kultur und Leben ein grausames Ende setzte. Erst 1997 wurde der Theatersaal wiederentdeckt, zehn Jahre später brachten eichinger offices sehr behutsam den Charakter des großartigen Raumes unter der Glasdecke mit seinen stuckverbrämten Galerien wieder zum Vorschein und rüsteten ihn mit aller nötigen Theaterinfrastruktur auf und aus. Auch das Foyer gestalteten sie neu.

Bubi und Babsi Für Gregor Eichinger ist Emotion eine entscheidende Kategorie der Architekur. Man erlebt sie am unmittelbarsten an deren Benutzeroberfläche, der Eichinger den Großteil seiner kreativen Energie widmet. Das tut er konzentriert in seinem Büro in der Praterstraße und entspannt in dessen Dependance im Erdgeschoss, der Babsi-Bar. Isabella Marboe „Architektur wird emotional geboren und emotional konsumiert“, ist Gregor Eichinger überzeugt. Für ihn ist Emotion ein essentieller, wenn nicht gar der entscheidendste Aspekt von Architektur. Das Büro von eichinger offices liegt im Mezzanin der Praterstraße 33, dem sogenannten „Alliiertenhof“. Das Spätgründerzeithaus des Baujahres 1896 von Architekt Ludwig Tischler hat eine Fassade von elaborierter Plastizität. Rustikagestein, Balustraden, Erker, Balkone, Rundbogenfenster, Schlussteine mit Männerhäuptern, Kolossalsäulen mit korinthischen Kapitellen, Freiplastiken. „Wir finden den emotionalen Inhalt der Benutzeroberfläche in der Ornamentik. Durch Reliefausbildung wird die schattenspendende dritte Dimension in die Oberfläche gebracht“, erklärt das Büro auf seiner Website. „Sie gibt der Benutzeroberfläche Tiefe. Die maschinell hergestellten und oft vorfabrizierten Oberflächen sind meist glatt wie ein Ei in ein Tragwerk hineingelegt. Der Architekt kümmert sich um die Maximierung der Kubatur und dann kommt die Einrichtungshenne und legt ihr Ei.“ Das ist bei Gregor Eichinger definitiv nicht so. Der unangefochtene Meister in der hohen Kunst, Opulenz, Sinnlichkeit, die Lust an Farbe, Material- und Formenvielfalt wieder in die Architektur zu bringen, trägt Schwarz. Und drei große Exemplare seines X-Rings an einer Hand. Zwei mal Schwarz, einmal Silber, XXX. Er entwarf sie, um ein Geheimnis nicht zu vergessen, das er natürlich nicht verrät. Sonst wäre es ja keines mehr. Auf Eichingers Schreibtisch stapeln sich kegelförmige Hüte von Mühlbauer. Der Architekt machte daraus Stehlampen. Die Hutränder haben Magnete und haften so am schwarzen Stahlring des Stehers. Oben und unten, allein oder zu zweit, aus Stroh geflochten oder aus Filz, durchlöchert oder nicht, geben sie unterschiedliches Licht und sehen in jeder Kombination anders aus. „Man kann sie magnetisch konfigurieren oder als Hut aufsetzen“, sagt Eichinger. „Bubi-Lamp“ heißt diese Lampe. Namen sind dem Architekten wichtig. An manchen brütet er monatelang. „Bubi“ verweist auf den Bubikopf, in dem sich eine gesellschaftliche Revolution manifestierte. „Der Bubikopf bezeichnet den Beginn der Moderne“, sagt Eichinger. „Dieser Einschnitt umfasste von der neuen Art der Mobilität bis hin zur Frisurenmode der Damen alles.“ Designversierte erkennen in der Armlehne des asymmetrischen Bugholzsessels am Tisch die charakteristische Lochung von Roland Rainers Stadthallenstuhl wieder. Als Hommage an ihn hat Eichinger sie in der schwarzen Version seiner Eigenkreation Li-Lith zitiert. Sie hat nur eine Armlehne, daher ist ihre Sitzfläche an zwei Seiten frei – und können zwei Li-Liths ein Paar bilden. Sie sind dann eine kleine Bank. Unter dem Label „eichinger oder knechtl“ haben Gregor Eichinger und Christian Knechtl in Wien einige Marksteine im Lokaldesign gesetzt. Sie entwarfen das Café Stein (1985!), die Bar Ron Con Soda (1994), die Weinhandlung Unger & Klein (1992), das Palmenhaus (1998) und einige weitere Gemmen. 2005 trennten sich die beiden, ihr Büro lag am Schwedenplatz. „Das war ein ehemaliges Aussichtscafé“, sagt Eichinger, der ein bekennender Liebhaber und längst Experte der Wiener Kaffeehauskultur ist. Von dort hat er schon in den zweiten Bezirk hinübergesehen. Der ist für ihn mit dem Prater und den Donauauen die „wilde Ecke“ Wiens. Dass sie längst gezähmt fußläufig zur Inneren Stadt liegt, ist auch kein Nachteil. Auch die Praterstraße 33 war einmal ein Kaffeehaus. Vermutlich das „Theatercafé“, im Nebenhaus war nämlich das Leopoldstädter-, später Carltheater. Im Mezzanin, wo heute „eichinger offices“ sind, wurde Billard gespielt, im Erdgeschoss befand sich das Café – und im kleinen Raum daneben der „Damensalon“. Damen duldete man damals in Kaffeehäusern nicht. Heute stehen auf der Glasscheibe dieses Gassenlokals die Worte „Bring your friends & bring your fingers“, sowie darunter am Boden zwei üppige Blumensträuße, deren Farben in der Sonne satt leuchten. Im Büro finden sich großartige, langstielige Lilien. „Seit etwa 15 Jahren bekomme ich jeden Montag frische Blumen“, sagt Eichinger. Christine Fink, die begnadete Floristin, deren Blumengeschäft in der Wieden durch die extrem spartanische Gestaltung von eichinger oder knechtl zum Kultladen wurde, stiftet sie ihm. Von Eichinger stammt auch der Name des Geschäfts: Blumenkraft. „Ich hab einfach Flower Power übersetzt.“ Christine Fink revanchierte sich mit Babsi. So heißt nun die Bar hinter der Glasscheibe. Stehen tut das nirgendwo, man muss es wissen. Rechts und links hängen im Pliséestil akurat gefaltete, bodenlange Vorhänge in schillerndem, gedeckten Orange, an der Decke bildet ein Stoff derselben Farbe eine Art textiles Satteldach. Darunter steht ein Holztisch aus groben Latten, der schon 2006 auf der Architekturbiennale in Venedig war. Auch die Stirnwand ist verlattet und dient als Projektionsfläche für Musikvideos. Hier zahlt man seine Getränke mit Musik, eine Redakteurin der New Yorker Vogue, Menschen aus Beirut und Moskau zählten bereits zur illustren Gästeschar, die den Tisch mitunter auch zum Tanzboden machte. „Die ,Babsi Bar’ ist eine Bretterbar“, erklärt Eichinger. „Die Bretterbar ist der Start jedes städtischen Netzwerks. Ein Wirtshaus macht noch keine Stadt, auch ein Kaffeehaus muss noch keine Stadt machen. Eine Bar aber ganz sicher.“ Vor der Haustür des Büros ist ein U-Bahnab- oder Aufgang, schräg gegenüber der Nestroyhof. Dieses großartige Gebäude an der Grenze von Historismus und Jugendstil war 1898 eröffnet und vom jüdischen Architekten Oskar Marmorek geplant worden, ein Jahr später zog das Café Reklame im Erdgeschoss ein, mit Wirtshaus, Bierhalle und Restaurant im Wintergarten. 1904 begann mit dem „Intimen Theater“ die Theatergeschichte des Hauses, wo Maxim Gorki, August Strindberg oder „Die Büchse der Pandora“ ihre Erstaufführungen in Österreich erlebten. Im Keller befand sich die „Tanzbar Sphinx“, eine der beliebtesten Nachtbars dieser Zeit. Bis 1938 der Anschluss Österreichs an Nazi Deutschland jeder Form von jüdischer Kultur und Leben ein grausames Ende setzte. Erst 1997 wurde der Theatersaal wiederentdeckt, zehn Jahre später brachten eichinger offices sehr behutsam den Charakter des großartigen Raumes unter der Glasdecke mit seinen stuckverbrämten Galerien wieder zum Vorschein und rüsteten ihn mit aller nötigen Theaterinfrastruktur auf und aus. Auch das Foyer gestalteten sie neu. Außerdem das Café Ansari. Es war ursprünglich nur halb so groß. „Aber es brauchte unbedingt einen Raum mehr“, sagt Eichinger, der großen Wert darauf legt, dass er Innenräume mit den Mitteln der Architektur gestaltet. Also: erst eine fundierte Raumanalyse, dann der Rest. Da sind mitunter massive statische Eingriffe inkludiert. Im Ansari war es ein zusätzlicher Raum, weil „das Hinterland mit Küche ist drei Mal so groß.“ Die ist hier übrigens weiß-grün verfließt, nicht klinisch. Den opulenten Rest in den Gasträumen und stillen Örtchen studiert man am besten selbst genußvoll vor Ort. Zwei Häuser weiter vorne ist das „Song.“ Dessen Auslage gestaltete Hermann Czech mit Holzplatten, die nur einen Schlüssellochblick ins Geschäft erlauben. An der Tür beginnt das Design von Gregor Eichinger und zeigt sich sein Humor. Eine goldene Hand im Stil des 19. Jhdts. weist auf einen Klingelknopf aus Messing. Hier muss man läuten, um eingelassen zu werden. Das Innere ist gekonnt reduziert. Estrich am Boden, Tischplatten aus Beton auf einfachen Stahlbeinen, an der Decke Industrielampen und Installationsrohre in abgehängten Trassen. Und dazwischen? Ein Universum exklusivster Güter. Die Umkleidekabinen sind übrigens aus bodenlangem Segeltuch in gedecktem Weiß, lenken den Schritt und greifen sich sehr angenehm an. Eine wunderbare Benutzeroberfläche. Der große Jean Nouvel legte darauf in dem von ihm gestalteten Hotel Sofitel Vienna weniger Wert. Die Zimmer waren je nach Himmelsrichtung radikal monochrom weiß, grau und schwarz. Mit der Zeit wurde das plastikähnliche Material der abstrakten Hocker und Möbel fast schon filzig. „Diese gummiartigen Oberflächen waren einfach nicht zu putzen“, sagt Eichinger. Er wurde mit dem Relaunch beauftragt, akzeptierte die Grundidee der Monochromie, veränderte aber die Materialien und setzte farbige Akzente mit Lokalkolorit. Schaltet man die Lampen ein, zeigt sich in deren weißen Schirmen ein Muster der Wiener Werkstätte. In die weißen Sofas in den weißen Zimmern ist ein oranger Farbverlauf eingewebt, die schwarzen Räume wurden mit dunklem, satten Blau aufgepeppt. Auch die Bar unter dem leuchtenden Baldachin von Pipilotti Rist hat Eichinger mit reflektierendem Glas, neuer Beleuchtung und Leder aufgepeppt. Schließlich ist sie der Quell von vielem und ein Fluidum des Städtischen.
Modegesschäft Song in der Praterstraße von eichinger offices ©Eva Kees

Außerdem das Café Ansari. Es war ursprünglich nur halb so groß. „Aber es brauchte unbedingt einen Raum mehr“, sagt Eichinger, der großen Wert darauf legt, dass er Innenräume mit den Mitteln der Architektur gestaltet. Also: erst eine fundierte Raumanalyse, dann der Rest. Da sind mitunter massive statische Eingriffe inkludiert. Im Ansari war es ein zusätzlicher Raum, weil „das Hinterland mit Küche ist drei Mal so groß.“ Die ist hier übrigens weiß-grün verfließt, nicht klinisch. Den opulenten Rest in den Gasträumen und stillen Örtchen studiert man am besten selbst genußvoll vor Ort.

Zwei Häuser weiter vorne ist das „Song.“ Dessen Auslage gestaltete Hermann Czech mit Holzplatten, die nur einen Schlüssellochblick ins Geschäft erlauben. An der Tür beginnt das Design von Gregor Eichinger und zeigt sich sein Humor. Eine goldene Hand im Stil des 19. Jhdts. weist auf einen Klingelknopf aus Messing. Hier muss man läuten, um eingelassen zu werden. Das Innere ist gekonnt reduziert. Estrich am Boden, Tischplatten aus Beton auf einfachen Stahlbeinen, an der Decke Industrielampen und Installationsrohre in abgehängten Trassen. Und dazwischen? Ein Universum exklusivster Güter. Die Umkleidekabinen sind übrigens aus bodenlangem Segeltuch in gedecktem Weiß, lenken den Schritt und greifen sich sehr angenehm an. Eine wunderbare Benutzeroberfläche.

Architekt Gregor Eichinger gestaltete das Design von Jean Nouvel im Wiener Sofitel etwas softer ©Eva Kees

Der große Jean Nouvel legte darauf in dem von ihm gestalteten Hotel Sofitel Vienna weniger Wert. Die Zimmer waren je nach Himmelsrichtung radikal monochrom weiß, grau und schwarz. Mit der Zeit wurde das plastikähnliche Material der abstrakten Hocker und Möbel fast schon filzig. „Diese gummiartigen Oberflächen waren einfach nicht zu putzen“, sagt Eichinger. Er wurde mit dem Relaunch beauftragt, akzeptierte die Grundidee der Monochromie, veränderte aber die Materialien und setzte farbige Akzente mit Lokalkolorit. Schaltet man die Lampen ein, zeigt sich in deren weißen Schirmen ein Muster der Wiener Werkstätte. In die weißen Sofas in den weißen Zimmern ist ein oranger Farbverlauf eingewebt, die schwarzen Räume wurden mit dunklem, satten Blau aufgepeppt. Auch der Bar unter dem leuchtenden Baldachin von Pipilotti Rist hat Eichinger mit reflektierendem Glas, neuer Beleuchtung und Leder etwas mehr Glamour verliehen. Schließlich ist sie der Quell von vielem und ein Fluidum des Städtischen.

www.evakees.com

Dieser Text ist in etwas abgeänderter Form erstmals bei www.zwischenbruecken.at veröffentlicht worden. „genau!“ dankt herzlich!

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