Die Ausstellung „Nur die größten Baustellen“ im Photoinstitut Bonartes zeigt die Vielfalt der großen Industriefotografin Marianne Strobl.
Das Photoinstitut Bonartes ist ein verborgenes Kleinod im Biotop der Wiener Galerienlandschaft. An diesem kultivierten, leicht abgedunkelten Ort herrschen Optimalbedingungen für konzentrierte Betrachtung. Derzeit sind hier die Fotos von Marianne Strobl (1865 – 1917) zu sehen, der „ersten Industriefotografin“ der k.u. k.Monarchie. „Nur die größten Baustellen“ heißt die Ausstellung, die Monika Faber und Martin Keckeis kuratiert haben. Sie richtet den Fokus auf Strobls Fotokampagnen und zeigt auch ihre Vielseitigkeit.

Strobl lichtete im Auftrag der Bauindustrie Innen-Konstruktionen ab, die später nicht mehr sichtbar waren. Sie sollten deren innovativen Konstruktionen anschaulich vermitteln und bewerben. Das macht ihre Fotos zu wertvollen Dokumentationen. Besonders eindrucksvoll ist das Bild vom Bau des Wasserreservoirs in Brünn, auch die Gemeinde Wien ließ infrastrukturelle Großprojekte wie die Überwölbung des Wienflusses, den Bau des Gaswerkes in der Leopoldau oder die zweite Hochquellen-Wasserleitung dokumentieren. In ihren Aufnahmen kann man gleichermaßen der Großstadtwerdung Wiens beim Wachsen zusehen.

Die Chronistin eines radikalen Modernisierungsprozesses aber dokumentierte nicht nur, sie komponierte ihre Aufnahmen. Arbeiter waren in ihren Augen keine anonymen Massen. Sie blicken gerade in die Kamera, stehen aufrecht, lehnen an Wänden, klettern auf Spitzeisen an Höhlenwänden hoch, schaufeln beherzt Kohle oder stützen sich auf ihre Spaten. Jede Person – vom stolz posierenden Auftraggeber und Bauleiter bis hin zur Statisterie im Hintergrund scheint von ihr instruiert.






