Die Eröffnung des Wiener Juridicum ist nun 42 Jahre her. Trotzdem ist diese Architektur kein bisschen alt. Und geliebt wird sie mehr denn je, wie eine neue Publikation der Fakultät beweist.
Es war ein kleiner Glücksmoment: Vor etwa 15 Jahren ließ sich das Juridicum kurz in seiner vollen Größe erfassen, weil am Nachbargrundstück eine Baulücke klaffte. Sie gab die Sicht auf Schmalseite des mächtigen, an den Ecken gerundeten Baukörpers mit der spiegelnden Glasfassade frei. Aus dieser temporären Perspektive waren die kluge Konstruktion und das Prinzip der „vertikalen Stadtuniversität“ dieser Architektur am besten ersichtlich. Wie eine hochgezogene gläserne Box hängt der Institutstrakt am schlanken Schaft der Erschließungstürme und kann so vier Geschosse über dem Straßenniveau zwischen seiner historistischen Umgebung auftauchen. „Das freihängende Haus, kein modernistischer Gag“, schrieb Architekt Ernst Hiesmayr 1995 in seiner Publikation dazu.

Die Eröffnung des Juridicums ist 42 Jahre her, die Zeit konnte seine architektonische Sonderstellung nicht schmälern, bei ihren Nutzer*innen hat die offene Universität sogar an Beliebtheit gewonnen. Das beweist eine aktuelle Publikation, die Miloš Vec, Professor für Rechts- und Verfassungsgeschichte herausgegeben hat. (Juridicum Wien, Manz 2026). Ihm und Dekanin Dr. Brigitta Zöchling-Jud war es wichtig, die Identifikation der Juridischen Fakultät mit dem Gebäude und die Wertigkeit der Architektur zu betonen.
Die Geschichte
Mitte der 1960er Jahre wurde das Hauptgebäude der Universität Wien am Ring zusehends zu klein, die Rechtwissenschaftliche Fakultät musste ausziehen, 1968 stellte ihr die staatsnahe Semperit ein bebautes Grundstück auf der Schottenbastei zur Verfügung. Professor Günther Winkler, der Beauftragte für den Neubau, wollte die Mauern der Universität im übertragenen Sinne niederreißen. Die Öffentlichkeit sollte künftig Einblick in das „Juristenhaus“ erhalten, um die Gleichheit der Individuen vor dem Gesetz zu versinnbildlichen. Nach einer Reise zu Universitätsbauten in aller Welt war Winkler überzeugt, dass diese Transformation von Demokratie in Gebautes nur in moderner Architektur erfolgen konnte.
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