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Das große Kentern

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Früher oder später gingen die Flaggschiffe des Konsums der Luxuskategorie auf der Liegenschaft Mariahilferstraße 10 – 18 alle unter. Die Halbwärtszeit ihrer Lebensdauer aber verkürzte sich enorm.

Der silberne Wälzer mit den orangenen Lettern „S, M, L, XL“ am Cover schlug anno dazumal in die Architekturtheorie ein wie ein Komet, längst ist er ein Klassiker, den so gut wie jedes einschlägige Büro, Institut und Studentenzimmer im Regal hat. Rem Koolhaas und Bruce Mau, die charismatischen Gründer von OMA hatten ihn verfasst. Als Kurator der Architekturbiennale in Venedig glückte Koolhaas 2014 mit „Elements of Architecture“ eines der stringentesten Konzepte. Er ist immer für messerscharfe Analysen gut, OMA inzwischen um den Thinktank AMO reicher und eines der einflussreichsten Büros der Welt.

Entwurf für das Luxuskaufhaus Lamarr von OMA ©OMA

Von der Inszenierung eines Haute-Couture Defilées über Ausstellungen, Museen, Investorenarchitektur bis hin zu markanten Landmarks wie der zu drei Türmen komprimierten vertikalen Stadt de Rotterdam bewältigt OMA/AMO jede Bauaufgabe. Um ein Haar hätte auch Wien seinen OMA-Bau bekommen, unter den 591 Projekten auf der Website findet sich das Kaufhaus „Lamarr“. Location: Vienna, Austria, Client: Signa + Central Group, Status: Design Development, Program: Retail, Hotel. Das Projektteam umfasste 16 Personen, das Kaufhaus hätte so glamourös werden sollen wie seine Namensgeberin Hedy Lamarr.

Im Nachhinein dürfte das eine schlechte Wahl gewesen sein, denn das Schicksal des Kaufhauses, sowie seines Tiroler Investors Renée Benko verlief so dramatisch wie das der einst schönsten Frau der Welt: ein kometenhafter Aufstieg und ein tiefer Fall. Benko, damals noch allseits hofierter Immobilieninvestor, schwebte auf dem Grundstück des Flaggshipstore der zuletzt sehr glücklosen Möbelkette Kika-Lainer eine Wiener Version des Berliner KadeWe vor. Dieser stand nur noch die Immobilie im Weg.

Warenhaus Stefan Esders „Zur großen Fabrik“ 1917© gemeinfrei

Was auch ein Drama war: handelte es sich doch um die Bausubstanz von Stefan Esders’ Warenhaus „Zur großen Fabrik“. Architekt Friedrich Schachner hatte es nach Pariser Vorbild geplant, um 1900 zählte es neben Gerngroß und Herzmansky zu den „großen drei“ stolzen Einkaufstempeln…

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