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Ein Dach für einen Platz

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Wien und seine öffentlichen Plätze ist ein Kapitel für sich. Viel zu oft macht eine Vielzahl an Stadtmobiliar die intendierte Urbanität zunichte. Das riesige Membrandach über dem Urban-Loritz-Platz aber ist eine große städtebauliche Geste mit einer grünen Seite, die kaum wer kennt und nach mehr als 25 Jahren immer noch gut. Eine Würdigung.

Der Urban-Loritz-Platz ist eine urbane Drehscheibe erster Klasse: Hier münden, umspült von den Fahrbahnen, Geh- und Radwegen des Gürtels, die Hütteldorfer, März- und Westbahnstraße ein, halten und queren die Straßenbahnlinien 6, 9, 18 und 49, fahren zwei Nachtbusse ab und hat die U6 ihre Station. Außerdem strömen bei jedem Konzert tausende Menschen in die und aus der Stadthalle. Dieser Platz wird von früh bis spät intensiv genutzt, die Dichte an Kebab-, Würstel- und sonstigen Ständen ist hoch, irgendwas nährt hier immer, er schläft fast nie.

Der Urban-Loritz-Platz schläft fast nie – kurz nach Fertigstellung war die Membran noch weiß @Monika Nikolic

Das Membrandach, das ihn überspannt, ist das größte Wiens. 2.300 m² Polyestergewebe, seit 25 Jahren in der Luft und längst ein fixer Bestandteil der Stadt. „Man wollte etwas Besonderes machen, und man hat etwas Besonderes gemacht“, sagt Herbert Krachsberger, Leiter der Stabsstelle Bauanalyse der MA 29. Sie ist für Brücken zuständig, auch das Membrandach gilt als Brückentragwerk. Es wird regelmäßig inspiziert, dreimal pro Jahr durch „Besichtigungen“, alle zwei Jahre durch „Kontrollen“, alle sechs Jahre erfolgen „handnahe Bauwerksprüfungen“ außerhalb der Straßenbahnbetriebszeiten mit dem Hubsteiger der MA 29.

@google maps

Vor rund 30 Jahren war der Gürtel eine städtebauliche Problemzone erster Güte: viel Verkehr, dunkle Gehwege, zugemauerte Bögen, abgewohnte Substandardhäuser, drinnen Rotlichtgewerbe, draußen Straßenstrich. Dann brachte Österreichs EU-Beitritt dem Gürtel das EU-geförderte Projekt Urbion (Urban Intervention Gürtel West). Das erste dieser Art, sehr großzügig bemessen. Architektin Silja Tillner hatte den EU-weiten Wettbewerb für die Gürtelbelebung gewonnen und das flexible, modulare Verglasungssystem für die Bögen und deren Beleuchtung entwickelt, das auch Otto Wagners Verkehrsinfrastruktur dezent inszeniert. Längst hat sich dort eine vitale Musikszene mit Lokalen und Clubs etabliert.

Der Urban-Loritz-Platz wa…

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