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Linzer Domcenter ©

Linzer Domcenter ©

in bauten

Ein Dom bricht auf

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Der Linzer Mariendom ist für den Domplatz einfach zu groß, ihm fehlte ein angemessenes Entrée. Leichtfüßig erobert nun das neue Domcenter an seiner östlichen Längsflanke den Stadtraum.

Als der Mariendom in Linz gebaut wurde, war die katholische Welt noch in Ordnung. 1855 beauftragte Bischof Franz Josef Rudigier den Bau der größten Kirche Österreichs, die auf ein Fassungsvermögen von 20.000 Menschen ausgelegt, ausschließlich von den Spenden der Glaubenden finanziert und damals das größte Bauvorhaben Europas war.

Linzer Domcenter © Edward Baierle
Willkommensgeste: Linzer Domcenter von Peter Haimerl © Ewald Beierle

„Heute wird die Kirche in der Gesellschaft immer mehr marginalisiert“, sagt der Linzer Dommeister Clemens Pichler. „Aber das ist kein Endpunkt, wir wollen Kirche neu denken. Für uns ist der Mariendom nicht nur Ort der Liturgie, sondern auch der Vermittlung, Kunst und Kultur. Das sollte sich auch architektonisch manifestieren.“ Wenn die Menschen nicht mehr in die Bischofskirche fanden, musste eben die Bischofskirche zu den Menschen kommen. Man wagte einen mutigen Schritt: Nun sind Linz und die Welt um ein wunderbares Bauwerk reicher: Das Domcenter, wo man direkt an der Kathedrale mitten am Platz sitzt.

Ihre massiven Mauern wirkten als Barriere: An den Strebepfeilern der östlichen Längsflanke scheinen nun drei um 180 ° gedrehte Kreuzrippengewölbe in die Stadt hinabzugleiten, sacht auf einer Glaswand aufzusetzen und in hauchzarten Streben am Domplatz tänzelnd Fuß zu fassen. Sie tragen nicht, sondern wirken als Zugbänder, deren kleine Querschnitte der Gotik ihre Referenz erweisen.

Umgekehrte Geewölbe aus Sichbeton bedachen das Café ©Marboe

Die umgekehrten Gewölbe, die sich wie Baldachine über den kleinen Raum legen, entsprechen genau denjenigen der Kathedrale. Sie tragen deren Inneres gleichermaßen nach außen. Architekt Peter Haimerl plante diesen absolut avantgardistischen Bau, der nun die Visitkarte des Doms, sein Café, Bookshop, Treffpunkt, Anlaufstelle, Informationszentrum und Veranstaltungsort in einem ist. Bezeichnenderweise wurde er von der Bischof-Rudigier-Stiftung zur Erhaltung des Mariä-Empfängnis-Domes beauftragt, die dafür mit dem Bauherrenpreis 2025 ausgezeichnet wurde. In ihrem Anspruch diese kleine Architektur, die messerscharf an den Grenzen des Baubaren entlang schrammt, dem Original durchaus gerecht. Punktgenau zu dessen hundertjährigem Eröffnungsjubiläum – am 29. April 2014 – wurde es fertig.

Der deutsche Dombaumeister Vincenz Statz hatte die Linzer Kathedrale geplant, deren schiere Größe die damalige Bedeutung der Kirche widerspiegelt. Stolze 130 Meter beträgt ihre Gesamtlänge, das Querschiff ist 60 Meter lang, das Hauptschiff 27,5 Meter breit. Dass der Turm 134,7 Meter – und damit zwei Meter niederer als der Stephansdom ist, liegt wahrscheinlich einzig daran, dass damals kein Gebäude ersteren überragen durfte.

Zuerst stand der Entwurf, dann erst suchte man den Bauplatz. Die Linzer Altstadt war bereits gebaut, genau genommen sprengte die imposante Kathedrale ihren Maßstab. Schließlich landete sie in B-Lage, in zweiter Reihe hinter der Landstraße im Geviert von Herren-, Stifter-, Hafner- und Baumbachstraße. Trotzdem sollte sie keinesfalls kleiner werden als geplant. Man ging also auf Nummer sicher, begann mit Fundament und Krypta, wobei der gesamte Platz aufgegraben und dann wieder zugeschüttet wurde, baute darüber Apsis und Seitenkapellen bis zum Querschiff, mauerte ab und begann 1886 mit dem Turm am anderen Ende. Damit war die Größe einzementiert, es folgten Querschiff und Langhaus, wo 30 große, hohe, spitzbogig gefasste Gemäldefenster mit Meisterwerken der Glasmalerei das Tageslicht in unterschiedlichsten Spektralfarben in die Kathedrale strömen, am 29. April 1924 fand die Einweihung statt.

Linzer Domcenter ©
Linzer Domcenter ©
Linzer Domcenter ©Ewal Beierle

Doch sie war zu groß, um in klassischer Ost-West Ausrichtung auf den Domplatz zu passen. Ihre Apsis liegt im Süden, der Haupteingang an der Baumbachstraße im Norden, er hat keinen entsprechenden Vorplatz und wirkt wie eingeklemmt. Das führte zu der paradoxen Situation, dass selbst Linzer und Linzerinnen den gewaltigen Dom kaum wahrnahmen. Seit 2007 verfolgt Dommeister Clemens Pichler das Ziel, den „Mariendom ins Zentrum zu rücken. Er muss spürbar bleiben und mit der Stadt in einen Dialog treten.“ Das war nur im Osten möglich, wo sich der Platz zur Herrengasse hin öffnet und auch das Hotel am Domplatz steht. Dort hatte die Diözese bereits mit einem Domshop ihre Tentakel zur Stadt hin ausgestreckt, mit mäßigem Erfolg.

Unter dem Motto „Von der Kommunikation zur Kontemplation“ brachten rund zwanzig Menschen aus dem Domkapitel, der Pfarre und der Stadtpastoral gute zwei Jahre ihre Expertise ein, um zu definieren, was fehlte: ein Ort, der einen mit offenen Armen aufnahm und dazu einlud, zu verweilen, sich zu versammeln, informieren und auszutauschen. Architekturstudierende der Kunstuni Linz sollten dazu in einem Workshop Projekte entwickeln, Clemens Bauder betreute sie, die Aufgabe aber erwies sich als zu komplex.

Schließlich plante Architekt Peter Haimerl das Domcenter unter dem scheinbar schwebenden Gewölbe, das nun die Kathedrale ein Stück weit in die Stadt trägt. Obwohl es ihren Strebepfeilern zu entwachsen scheint, berührt es den alten Sakralbau nicht. Das war eine Vorgabe des Bundesdenkmalamts, ebenso wie das Beharren auf einem dem Dom angemessenen, hochwertigen Material. Also lösten die Betonschalen das ursprünglich geplante Holzgerippe ab. Zum Glück, sie entsprechen dem Stein der Kathedrale und ihrem Anspruch an Ewigkeit weit mehr.

Linzer Domcenter ©
Linzer Domcenter ©
Linzer Domcenter ©
Die Gemäldefenster brechen das Licht in allen Spektralfarben. ©Ewald Beierle

Das etwa zwanzig Meter lange, zehn Meter breite Café orientiert sich an der Größe der Dombauhütte, die an der westlichen Längsflanke ihr historisch gewachsenes Pendant bildet. Sie zählt zum immateriellen Weltkulturerbe. „Es gibt keine andere Institution, die Architektur so ganzheitlich verstanden hat wie die Kirche“, sagt Peter Haimerl. „Die mittelalterlichen Dombaumeister strebten nach Unendlichkeit. Sie hatten keine digitalen Tools, sondern nur zweidimensionale Pläne und konnten trotzdem so hochkomplexe Gewölbeformen bauen.“

Die komplexe Geometrie der Gewölbe aus Hochleistungsbeton über dem Domcafé hätte ohne die modernste Computertechnologie nie konstruiert und berechnet werden können. „Wir wollten auch an die Spitze dessen gehen, was heute technologisch und ästhetisch möglich ist“, sagt Haimerl. Es sollte dem entsprechen, was damals den Dombauhütten gelungen ist. Auch im Linzer Mariendom steckt mehr Innovation als man der Neugotik gemeinhin beimisst: Sein Dachstuhl ist ein genietetes Eisenfachwerk – wie der Pariser Eiffelturm, aber früher.

©Beierle
Linzer Domcenter ©
©Beierle
Linzer Domcenter ©
©Beierle

Von oben sieht man die drei Gewölbefelder. Oben die einfach gekrümmte Deckschale, in der Mitte die Dämmung, dann die tragende, zweifach gekrümmte Schale mit der weichen, gebauchten Untersicht. Sie wirkt wie ein textiles Gewebe, ihre Umsetzung hing an einem seidenen Faden: Statiker der TU Dresden schlugen eine Stahlkonstruktion mit massiven Querschnitten vor, ein weiteres Büro winkte ab, schließlich übernahm Gernot Parmann vom Grazer Unternehmen PURAcrete den Auftrag. Der Zeitdruck war enorm, analog zu Stichkappen wurde die vorgefertigten Betonsegmente kurz vor Weihnachten geschalt und an ihren stark bewehrten Rändern verschweißt. Ihre Nähte folgen dem Verlauf von Diagonalrippen, ihre Grate an ihrer Untersicht sind verspachtelt. Diese Spur von Handarbeit auf einer technologisch avantgardistischen Konstruktion schafft eine Verbindung zur Dombauhütte, wo Steinmetze kontinuierlich am Dom weiterbauen, um seinen Bestand für die nächsten Jahrhunderte zu sichern.

Die Glasstreifen zwischen den Schalen verlaufen genau vor den Strebepfeilern, auf denen man nun an der Domwand entlang hinauf sehen kann, von jedem Platz anders, auch der Turm zeigt sich. Das Glas sorgt für Oberlicht, die Lampen an den tragenden Säulen aber strahlen von unten auf die Betonschalen. Er scheint dadurch sehr weich und fast schwebend.

Altargestaltung von Kuehn Malvezzi und Heimo Zobernig ©Isabella Marboe

Seit jeher ist die Kirche eine Meisterin der liturgischen Dramaturgie. Das Domcafé nimmt auch daran Anleihe, es schafft eine neue Eingangssituation, die gleichermaßen die städtebauliche Fehlstellung korrigiert und subtil den Weg in die Kathedrale inszeniert: man schreitet am Shop vorbei in die Turmkapelle, wo der Domschatz in einem faszinierenden, freistehenden, mehransichtigen Raummöbel aus Schwarzstahl präsentiert wird, dessen Form der eines Einstein folgt. Das ist das Grundelement eines Musters, das sich unendlich fortsetzen lässt. Nach einer Vierteldrehung steht man dann endlich in der Längsachse, wo der Dom seine ganze Dimension ausspielt. Auch die puristische Altargestaltung von Kuehn Malvezzi und Heimo Zobernig setzt einen Markstein, der genau dort anknüpft, wo das Domcafé fortsetzt: bei den Menschen. Die Linzer und Linzerinnen nutzten nämlich das Querschiff des gewaltigen Domes, um ihre Alltagswege abzukürzen. Damit sie das weiterhin können, senkt sich das Altarpodest am Kreuzungspunkt mit dem Weg per Hebebühne auf Bodenniveau. Bei feierlichen Liturgien gleitet er dann zu Altar, Ambo und Lesepult empor.

Linzer Mariendom

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