Der Linzer Mariendom ist für den Domplatz einfach zu groß, ihm fehlte ein angemessenes Entrée. Leichtfüßig erobert nun das neue Domcenter an seiner östlichen Längsflanke den Stadtraum.
Als der Mariendom in Linz gebaut wurde, war die katholische Welt noch in Ordnung. 1855 beauftragte Bischof Franz Josef Rudigier den Bau der größten Kirche Österreichs, die auf ein Fassungsvermögen von 20.000 Menschen ausgelegt, ausschließlich von den Spenden der Glaubenden finanziert und damals das größte Bauvorhaben Europas war.

„Heute wird die Kirche in der Gesellschaft immer mehr marginalisiert“, sagt der Linzer Dommeister Clemens Pichler. „Aber das ist kein Endpunkt, wir wollen Kirche neu denken. Für uns ist der Mariendom nicht nur Ort der Liturgie, sondern auch der Vermittlung, Kunst und Kultur. Das sollte sich auch architektonisch manifestieren.“ Wenn die Menschen nicht mehr in die Bischofskirche fanden, musste eben die Bischofskirche zu den Menschen kommen. Man wagte einen mutigen Schritt: Nun sind Linz und die Welt um ein wunderbares Bauwerk reicher: Das Domcenter, wo man direkt an der Kathedrale mitten am Platz sitzt.
Ihre massiven Mauern wirkten als Barriere: An den Strebepfeilern der östlichen Längsflanke scheinen nun drei um 180 ° gedrehte Kreuzrippengewölbe in die Stadt hinabzugleiten, sacht auf einer Glaswand aufzusetzen und in hauchzarten Streben am Domplatz tänzelnd Fuß zu fassen. Sie tragen nicht, sondern wirken als Zugbänder, deren kleine Querschnitte der Gotik ihre Referenz erweisen.


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