Die berückend schöne Landschaft des Salzkammerguts war auch Schauplatz von Verbrechen. Im Kulturhauptstadtjahr wird der Gedenkstollen an das Konzentrationslager in Ebensee zum Schauplatz einer fasziniernden Installation der japanischen Künstlerin Chiharu Shiota.
Vom Konzentrationslager Ebensee ist fast nichts mehr übrig. Gerade einmal der Torbogen am Eingang des Lagers blieb erhalten. Die Stollen, die die Häftlinge in Schwerstarbeit in den „Seeberg“ geschlagen hatten, verloren sich in dessen Tiefen. Auch die zwei Massengräber unweit des ehemaligen Krematoriums verschwanden in der Erde. Zwischen 1943 und 1945 wurden rund 27.000 Häftlinge aus über 20 Ländern nach Ebensee deportiert, etwa 8.500 davon kamen um. Höchste Geheimhaltung war den Nationalsozialisten wichtig. Das Lager lag am Rand der Ortschaft, der Eingang in den Stollen drei Kilometer weiter entfernt. In den unterirdischen Anlagen im Berg sollte die rettende „Wunderwaffe“ V1 und V2 hergestellt werden. Bis heute sind die Eingänge in die Stollenanlagen nur sehr schwer zu finden. Das kam den Ebenseern und Ebenseerinnen entgegen: was man nicht sieht, darüber lässt sich leichter schweigen. 1949 baute man eine Wohnsiedlung auf das Lager und begrub die Vergangenheit unter akkurat parzellierten Grundstücken.
Erinnerung ist ein essentieller Teil des Lebens, auch die Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut betreibt Tiefenschürfung in der Geschichte von Ebensee. Im Stollen Nr. 5 befindet sich seit 1997 eine Ausstellung, er kann normalerweise gegen Voranmeldung besucht werden. Nun ist das anders: die Kulturhauptstadt Bad Ischl Salzkammergut lud die japanische Künstlerin Chiharu Shiota ein, im Gedenkstollen eine Installation zu entwickeln. Nun gibt es auf einmal Pfeile, die den Weg „vom Vergessen zum Erinnern“ weisen und ist dieser höchst eindrückliche Gedenkort während der Öffnungszeiten der Ausstellung ganz unkompliziert zu besuchen. Sogar Literatur zur regionalen Judenverfolgung und Geschichte des Lagers gibt es beim sympathischen jungen Mann am Eingang zu kaufen.
ähnliche beiträge
Ähnliche Beiträge
Alles neu um 1900
Markus Schinwald hat die Schausammlung „Wien 1900 – Alltag. Gesamtkunstwerk“ neu ausgestellt. Ein triftiger Grund mehr, öfter ins MAK zu...
Fragmentarisch erinnern
Im Alten Spital in Solothurn thematisierte die Künstlerin Ingrid Gaier in der Ausstellung „Amnesia“ das vergessene Schicksal der dort aufbewahrten...
Reich und schön
Unter dem kryptischen Titel „Reichtum statt Kapital. Anupama Kundoo“ zeigt das Architekturzentrum Wien eine faszinierende Ausstellung über die indische Architektin...






