Die Natur ist den Bauherrinnen heilig, ihrem alten Hof hielten sie die Treue, bis er nicht mehr zu retten war. Gemeinsam mit Architektin Julia Kick fanden sie einen Weg, im Einklang mit Leben und Landschaft neu zu bauen.
Stolz und aufrecht ragt die kleine Sonnenblume tapfer aus der wilden Wiese, die sich um sie ausbreitet. Die Erde ist fruchtbar, das Dickicht wuchert üppig. Gut 120 Jahre stand auf diesem Grundstück im Lustenauer Rheindorf der Vetterhof. Im Nordwesten zieht auf der Bundesstraße 18 der gesamte Verkehr durch den Ort, der seinen Kern verloren hat und an den Rändern ausfranst. Neubauten verdrängten die alten Äcker und machten das ehemalige Dorf zu etwas, das Architektin Julia Kick als „Siedlungsbrei“ bezeichnet. Sie muss es wissen, denn sie ist hier aufgewachsen. „Lustenau explodierte“, sagt sie. Mit rund 25.000 Einwohnern ist es die einwohnerreichste Marktgemeinde Österreichs.

Einzig am eigenartigen Verlauf der Straßen ist die ursprüngliche dörfliche Struktur noch zu erahnen. Im Südosten zieht sich der beschauliche Fischerbühel durch den Einfamilienhausteppich, der früher landwirtschaftliche Fläche war. Vereinzelt finden sich noch Wiesen mit Vieh, den Vetterhof professionell zu betreiben, aber machte in diesem zersiedelten Areal keinen Sinn. Der Bauer und seine Frau zogen weiter ins nahe Alberried. Seit den 1970ern betrieben sie biologische Landwirtschaft, sie sind absolute Pioniere. Architekt Roland Gnaiger plante ihnen den neuen Hof, der in puncto Architektur und Landwirtschaft neue Standards setzte. Er besteht aus vier schlichten Holzbauten mit Pultdach, deren unbehandelte Fassaden mit der Zeit fast schwarz geworden und in die Landschaft eingewachsen sind. Die Gebäude beinhalten unterschiedlichste Funktionen und fassen U-förmig einen Hof ein, der sich zur Zufahrt öffnet.
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