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Sisters act

Judith EiblmayrvonJudith Eiblmayr

Ausgerechnet drei betagte Schwestern des Augustiner-Chorherrnstiftes Goldenstein machen seit Monaten international Schlagzeilen. Die drei Nonnen Bernadette, Rita und Regina kämpfen darum, ihren Lebensabend in ihrem Kloster verbringen zu dürfen. Judith Eiblmayr liest das Gebäude.

„Reverend Mother, I have sinned,” bekennt eine der zwei Nonnen, die andere fügt hinzu: “I too“ und die Schwesteroberin fragt: „What is this sin, my children?“ Beide mit gesenktem Blick ziehen eine Lichtmaschine und Starterkabeln unter ihrem Habit hervor, während man als Hintergrundgeräusch vergebliche Startversuche von Motoren vor den Klostermauern vernimmt. Dies ist eine legendäre Szene aus dem Musicalfilm Sound of Music von 1965, als zwei kluge und technisch versierte Nonnen verhindern, dass die Trapp-Familie auf ihrer Flucht von Gestapo Männern in zwei Autos verfolgt werden kann.

Im wohl berühmtesten Film mit einer Nonne in der Hauptrolle, Sister Act von 1992 ist es Deloris, eine Nachtclubsängerin, die als Sister Mary Clarence verkleidet im Zeugenschutzprogramm in einem Kloster Unterschlupf findet. Sie mischt das Kloster auf, übernimmt die Chorleitung, bringt so Schwung und Harmonie in den Konvent und wird von ihren Mitschwestern für ihren mangelnden Gehorsam bewundert, unterstützt und dieserart beschützt.

Soeur Clotilde wiederum ist ein Fixpunkt in mehreren Komödien von Louis de Funès aus den 1960er-Jahren, die mit einem freudigen „Ah, mon fils!“ plötzlich auftaucht und durch ihre atemraubende Fahrweise ihren Beifahrern die Angstschweiß durch den Körper treibt. Sie hat pure Lust am rücksichtslosen Fahren, sei es in einem 2CV, oder am Motorrad, bremst aus, räumt lachend andere Autos aus dem Weg und übersteht durch naives Gottvertrauen jede gefährliche Situation: „Merci, mon Dieux, t´es sympa!“ Die Nonne, die aufsässig ist, sich nicht an alle auferlegten Regeln hält und gerade dadurch dem Guten zum Durchbruch verhilft, ist eine beliebte Figur im Film. Es gefällt dem Publikum, wenn eine vermeintlich dem Bravsein verpflichtete Frau über die Stränge schlägt, hier darf sie Widerstand leisten und all ihre Kraft zeigen – der Name Clotilde bedeutet übrigens „berühmte Kämpferin“.

Wie man es auch dreht und wendet: Das Volumen dieses zugebauten Treppenhauses ist gewalig ©Judith Eiblmayr

Dieser Exkurs ins Drehbuchfach sei vorangestellt, um die Welle der Sympathie zu verstehen, die den Nonnen des Augustiner-Chorherrnstiftes Goldenstein entgegengebracht wurde. Drei betagte Frauen werden schlecht behandelt, die ihr Leben lang gedient, anderer Eltern Kinder unterrichtet und im Internat betreut haben, tugendhaft lebten und Gehorsam zeigten? Das kommt nicht nur im nächsten Umfeld der Schwestern Bernadette, Rita und Regina nicht gut an, sondern auch bei der Öffentlichkeit. „Nicht mit uns!“ war die entschlossene Antwort der drei, nachdem sie unterstützt durch die ehemalige Schülerin Christina Wirtenberger und die Journalistin Edith Meinhart die Manipulation durch ihren Probst überhaupt erst realisierten.

Die Übersiedlung eines älteren Familienmitglieds ins Altersheim ist an sich ein heikles Thema, wird dies gegen den Willen der Person auch nur erwogen, wird es mit „Abschieben ins Heim“ quittiert. Die Erwachsenenvertretung ist in Österreich streng geregelt und die Selbstbestimmung im Alter ein hohes Gut, warum dies für eine Nonne nicht gelten soll, versteht niemand. Daher ist die Renitenz der drei Klosterschwestern, die von gesunder Resilienz zeugt, in der Öffentlichkeit so anerkannt und man fragt sich nach dem Grund: Warum hatten es die Augustiner-ChorHERREN von Stift Reichersberg gar so eilig, die „Regulierten Augustiner-ChorFRAUEN“ nach der Übernahme ihres Klosters auszuquartieren? Entgegen der Zusage, dass die drei letzten Vertreterinnen des Ordens bis an ihr Lebensende bleiben können, wollte man sie aus ihrem eigenen Zuhause drängen – was steckt dahinter? Der Name des burgartigen Schlosses am Ufer der Salzach, das spätestens seit dem 15. Jahrhundert besteht, könnte einen Hinweis liefern: „Die Volkssage leitet die Entstehung des Namens Goldenstein von reichem Salzachgold ab, für dessen sichere Bergung das feste Haus gebaut werden sollte.“ So steht in einer Gebäudechronik, die die Augustinerinnen selbst herausgegeben haben und lässt sich getrost auf „reiches Betongold“ übertragen.

Bis 1710 war das Schloss im Besitz weltlicher Herrschaften, bevor es von Stift St. Peter in Salzburg übernommen wurde. 1877 zogen die Augustiner Chorfrauen ein, nachdem sie aus ihrem Kloster Rastatt bei Karlsruhe aus konfessionellen Gründen vertrieben worden waren und im katholischen Österreich ihre private Schule weiterführen durften. Das Schloss wurde renoviert und so adaptiert, dass es seither als Schul- und Internatsbau dienen konnte, Bäder wurden erst in den 1960er-Jahren eingebaut.

Die Architektur des Schlosses mutet ungewöhnlich an, denn von Norden her betrachtet stellt es sich als Hochhaus mit Krüppelwalmdach an und ist weithin sichtbar.

Auf den Herrn als starken Turm vertrauen auch die Schwestern von Goldenstein ©Judith Eiblmayr

Viceversa ist der Ausblick aus den oberen Turmgeschoßen über das weite, flache Salzachtal sensationell: gegen Norden zeigt sich die Festung Hohensalzburg, gegen Süden erheben sich Tennengebirge und Berchtesgadner Alpen – kein schlechter Platz, der seinerzeit zur Errichtung dieses Gebäudes gewählt wurde. Dass dieser 32 Meter hohe Wehrturm lange als Frauenkloster und Mädchenpensionat diente, ist eine stimmige konkrete Metapher, wie die Geschichte uns nun lehrt.

Aber wofür könnte diese freigestellte Immobilie umgeben von einem Park noch Raum bieten: Einem Firmensitz, oder einer Luxusherberge mit umgebendem Chaletdorf…? Der Salzburger Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl, der sich als einziger Salzburger Politiker mit den Nonnen öffentlich solidarisiert hatte, meinte in einer der Folgen des Podcasts „Dunkelkammer“ auf Edith Meinharts Frage, ob kolportierte 18 Millionen Euro für die Immobilie realistisch erscheinen: „Die Begehrlichkeiten sind sicher groß, aber noch schwer nachweisbar. … Das Grundstück ist in Toplage, wunderschön situiert, mit großem Gartenbereich, da gehen sich einige Gebäude aus, wenn man das einmal verbauen wollen würde. … Es kommt mir plausibel vor, warum Stift Reichersberg, das, wie man hört, früher in finanziellen Schwierigkeiten war, die drei Schwestern loshaben und das Gebäude leer haben wollte.“ Die noch existierende Mittelschule sei schnell abgesiedelt, das wäre bei einer anderen konfessionellen Schule in Salzburg auch passiert.

Und schon erhebt sich das gedankliche Gebäude: Ein prächtiges Schlosshotel Goldenstein, das sich des einzigartigen Rundblickes und der Nähe zu Festspielstadt und Gebirge rühmt, mit dem Luxusrestaurant „Sisis Laube“ im ehemaligen Klostergarten und darunter, in den Hügel eingegrabener Tiefgarage. Da würde so mancher Investor lieber heute als morgen zuschlagen, aber wer könnte das sein…? „Der Name Goldenstein scheint mit der Goldwäscherei, die in unserer Gegend nachgewiesen ist, zusammenzuhängen,“ heißt es weiter in der Chronik des Schlosses. In der Gegend ist die „Red Bull Base“, die Firmen- und Medienzentrale des gleichnamigen Weltkonzerns, untergebracht in der 2012 adaptierten Rainerkaserne, besser bekannt unter dem Namen Kaserne Glasenbach. In der Nazizeit errichtet, in der Besatzungszeit als Camp Truscott von den Amerikanern genutzt, wurde von hier aus das Kriegsgefangenenlager Glasenbach verwaltet. Elsbethen ist ein geschichtsträchtiger Ort, an dem eben auch im übertragenen Sinne nach wie vor erfolgreich Gold geschürft wird, Interessenten gäbe es wohl genug.

Und auf einmal macht der vor zwei Jahren erfolgte Zubau an der Südseite des Turmes Sinn: Beim großzügig dimensionierten neuen Treppenhaus mit Lift wurde nicht gespart, offensichtlich ein baulicher Vorgriff am denkmalgeschützten Gebäude um den Wert der Immobilie zu steigern

Zurück zum Film: Schwester Bernadette war selbst Schülerin des Internats Goldenstein, im selben Jahrgang wie Rosemarie Magdalena Albach. Deren Bühnenkarriere hat bei den Aufführungen des Schultheaters begonnen, als Romy Schneider sollte sie weltberühmt werden. „Romy hatte diese echte Ausstrahlung. Sie war eine authentische Persönlichkeit. Aufgeweckt. Ehrlich. Sie hat sich kein Blatt vor den Mund genommen,“ sagte Bernadette in einem Interview im Jahr 2022. Drei Jahre später lassen sich auch die drei „Golden Girls“ nicht mehr den Mund verbieten.

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