Der Oskar Grossmannhof in der Brigittenau ist ein typischer sozialer Wohnbau aus der ruhmreichen Ära des Roten Wien. Am ersten August wird er hundert. Anlass für einen Besuch vor Ort und ein großes Straßenfest.
Derzeit sieht der Oskar Grossmannhof in der Brigittenauer Denisgasse wie eine Installation von Christo und Jeanne-Claude aus. Allerdings packten die beiden meist Wahrzeichen der Superlative ein. Sie hätten sich also eher für den Karl Marx – als den Oskar Grossmannhof entschieden. Fast ein Kilometer Fassadenlänge geben einfach mehr her als gerade einmal 70 Meter. Auch das ist schon viel, 88 Wohnungen hatte der Hof bei seiner Eröffnung, nun sind es 82. Er ist kein Flaggschiff, sondern ein grundsolider sozialer Wohnbau der epochalen Ära des Roten Wien.
Von 1919 bis 1934 wurden fast 65.000 Wohnungen in 331 Anlagen errichtet. Allein in der Brigittenau stehen 15 davon. Der Grossmannhof ist ein fünfgeschossiger, wuchtiger Bau mit profilierten Mauerkanten am Sockel, expressiven, einem dreieckig zugespitzen Durchgangstor und dreieckigen Erkern. Auch die Geschäftsportale, die großen Fenster des Kindergartens, die besonders viel frische Luft und Sonne aus dem Hof hereinlassen, Lampen, sind dreieckig. Dieses Motiv charakterisiert den denkmalgeschützten Bau, bezeichnenderweise planten ihn drei Architekten: Wilhelm Rumler, Anton Valentin und Viktor Reiter. Die beiden letzteren wurden später Mitglieder der NSDAP, bauten aber nach dem Krieg wieder für die Gemeinde Wien.


Die Verhüllung à la Christo und Jeanne-Claude ist das Staubschutznetz vom Baustellengerüst, das den Hof umgibt, als wäre er verletzt. Das ist nicht ganz falsch, seit Jahren wird generalsaniert. Die Liftschächte sind schon ausgehoben, gerade wird das Dach ausgebaut. Dort brach in der Nacht vom 17. bis zum 18. Juni ein Brand aus, die Feuerwehr rückte mit hundert Leuten aus, nach drei Stunden hatte sie ihn im Griff. Niemand musste ins Spital, einige Wohnungen sind vom Löschwasser geschädig…







