Der Kornmarktplatz in Bregenz reiht sich ein Architekturjuwel ans andere, er ist der kulturelle und gesellschaftliche Dreh- und Angelpunkt der Vorarlberger Landeshauptstadt. Der jüngste Zuwachs am Platz ist das Boutiquehotel „Kleiner Löwe.“ Diese Architekturpretiose wurde von Herzog & DeMeuron geplant und lässt sich sogar temporär bewohnen.
Vorarlberg ist ein Architekturmusterland, wie man kein zweites findet. Nirgendwo ist die Dichte begnadeter Handwerker und großartiger Architekten pro Quadratmeter größer als hier. Der Bauherr hatte bereits sein Bürogebäude vom jungen Vorarlberger Büro Metzler.Schelling planen lassen, er war durchaus zufrieden. Im Jahr 2015 fiel sein Blick auf eine sehr besondere, sanierungsbedürftige Immobilie, eine weitere Bauherrschaft kündigte sich an.

Unmittelbar hinter einer schattenspendenden, alten Stadtlinde stand am Bregenzer Kornmarktplatz ein kleines, schmales Haus leer. Der Kornmarktplatz ist der absolute Dreh- und Angelpunkt des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens von Bregenz. Einzig die brutale Verkehrsplanung der 1970er Jahre trennt die Bodenseepromenade seiner Nordseite. Wie die Perlen einer Kette reihen sich hier der ikonische Quader des Kunsthaus Bregenz von Pritzker-Preisträger Peter Zumthor (1997), das Landestheater (1945) und das Vorarlberg Museum (2003) aneinander. Den Bregenzer Architekten cukrowicz nachbaur war damit eine Verschmelzung aus Erweiterung und Bestand geglückt, die ablesbar bleibt und doch ein Ganzes bildet. Mehr Premium geht nicht.
Gegenüber fasst eine geschlossene Häuserzeile den Platz. Eingeklemmt zwischen dem klobigen, vierstöckigen Bürobau mit ausgebauten Dach aus den 1960ern am Eck und dem schmucken Biedermeierhaus mit dem Theatercafé im Osten stand ein kleines Haus. 2013 hatte sein Dach gebrannt, das Löschwasser setzte ihm zu, sein Zustand war erbärmlich. Zwei Jahre später kaufte der Bauherr den Leerstand in absoluter Premium-Lage. An so einem Ort zu bauen, bedeutet Verantwortung. „Wir mussten das richtige tun“, sagt er.

Ein Stadthaus wie dieses braucht eine halböffentliche Nutzung. Geschäfte, Cafés, Restaurants, Kultur: Rundherum gibt es fast alles, er suchte etwas, „das der Platz noch nicht hat.“ Die bewegte Geschichte des Hauses ha…







