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Dagobert Peche, Stoffbahn Regenbogen, 1919 © MAK

Dagobert Peche, Stoffbahn Regenbogen, 1919 © MAK

in buch

In Dagoberts Universum

Isabella MarboevonIsabella Marboe


Schon das Cover ist vielversprechend und es hält, was es verspricht: Der gewagte Farbverlauf von türkis zu blau, grellgrün, gelb, rot, pink bis hin zu Dunkelblau stammt nicht aus der Ära von Disco und Funk. Dagobert Peche entwarf die seidene Stoffbahn namens „Regenbogen“ im Jahr 1919. Bis heute inspirierte sein Werk viele Designer


Dagobert Peche war der wohl exzentrischste Entwerfer der Wiener Werkstätte und einer der eigenwilligsten Künstler seiner Generation. Er war ein Meister der Oberfläche, einige seiner Stoffmuster nehmen souverän die Flower-Power vorweg. Die Farbenpracht seiner Tapeten ist umwerfend, die Dornen des schwarzes Stoffs „Irrgarten“ aber verweisen in die abgründigeren Gefilde von Sadomasochismus, Gothic und Punk Rock. Die Frühling-Sommer-Kollektion, die Andreas Kronthaler für Vivienne Westwood entwarf, nutzt genau diesen Stoff. Das Grauen lauert bei Peche hinter jeder Ecke, seine leichten, luftigen Blumenmuster lassen die Seele fliegen, sein Werk ist durchaus ambivalent. „Peche Pop – Dagobert Peche und seine Spuren in der Gegenwart“, der Katalog zu einer sehr gelungenen Ausstellung im Wiener MAK ist der Türöffner in sein künstlerisches Universum.

Peche, Möbel für Wolko Gartenberg, Paris 1913 © MAK/C. Mendez

Die Wiener Werkstätte verbindet man gemeinhin ebensowenig mit exzessiv überbordendem Farb- und Formenreichtum wie man der Gestaltung von Stoffen und Tapeten kreative Sprengkraft zutraut. Dagobert Peche gelang beides mühelos.

Kreative Sprengkraft

„Peche Pop – Dagobert Peche und seine Spuren in der Gegenwart“ heißt der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK), der die Tür zu einem eigenen künstlerischen Kosmos aufstößt. Peche war einer der extravagantesten, exzentrischsten Gestalter der Wiener Moderne, ein Streifzug durch sein Werk ist wie der Gang in ein labyrinthisches Kaleidoskop, in dem sich alles vielfach bricht.Vom Seidenstoff und die Tapete bis zum Papierblumenstrauß: es gab keinen noch so banalen Gegenstand, aus dem er nicht ein außergewöhnliches Objekt machen konnte. Selbst ein Christbaumschmuck wird bei ihm zum Blitz, der auch „High Sierra“ von Robert Smithson inspiriert haben könnte.

Dagobert Peche, Interieur er Wohnung Wolko Gartenberg, 1921/22 ©MAK
Dagobert Peche, Interieur Wohnung Wolko Gartenberg, 1921/22 ©MAK

Peche war ein Meister der Oberfläche. Besonders gern griff er zum Stilmittel des Ombré, eines Farbverlaufs von Hell zu dunkel, mit dem sich gut auf einer Fläche der Eindruck einer Rundung erzeugen lässt. Er liebte die Verkleidung und Verfremdung, das Ornament und das Vexierspiel zwischen zweiter und dritter Dimension. In seinen Händen wurden eine Bonbonnierendose aus Porzellan zum Schaf, eine Tapete zur Illusion einer Säule und erhielt ein Schrank unter der Last seines reliefartigen Ornaments wieder eine flächige Qualität. Funktionalität und Statik spielen eine untergeordnete Rolle, Materialien erscheinen anders als sie sind, Möbelstücke entwickeln ein Eigenleben.

Dagobert Peche, Salonschrank, 1913 © MAK

„Kunst ist das Bestreben, die unsichtbaren Rhythmen, welche uns umgeben, zu ahnen, ihr Gesetz zu finden, das Chaos zu klären“, so Peche. Er ist 1887 im Salzburger Lungau geboren, die Landschaft seiner Jugend wird immer Sehnsuchtsort bleiben, viele seiner floralen Ornamente, organisch fließenden Formen und Linien sind der Natur nachempfunden. Diesem Aspekt widmet sich Nikolaus Schaffer im Kapitel Arkadien, der gesamte Katalog ist thematisch gegliedert. So schreiben Rainald Franz über die Metamorphosen im Dekor des „größten Ornamentgenies“, Laura Steinhäußer über das Unheimliche, während Gabriele Kaiser in die „verschleierten Räume“ seiner temporären Architekturen und Interieurs entführt.

Peche, Papierblumenstrauß um 1920 © MAK

Eigentlich wollte Peche Maler werden, studierte aber auf Wunsch seines Vaters an der Technischen Hochschule und der Akademie der bildenden Künste Architektur. Sein dortiger Lehrer Friedrich Ohmann förderte seinen emotionalen Zugang zum Objekt und sein zeichnerisches Talent. Auch Wiener Werkstätten-Gründer Josef Hoffmann, der seinerseits das Quadrat überaus schätzte und nach dem Gesamtkunstwerk strebte, war ein großer Förderer und Bewunderer. „Nicht einmal alle hundert Jahre, alle dreihundert Jahre einmal vielleicht nur wir in einem Land ein solches Genie geboren. Dagobert Peche war das größte Ornamentgenie, das Österreich seit der Barocke (sic!) besessen hat“, bemerkte Josef Hoffmann.

Dagobert Peche, Porträt, 1920 © MAK

1915 hatte er ihn als Entwerfer an die Wiener Werkstätte geholt, ein Jahr später inszenierte Peche die Mode Ausstellung im vormaligen Österreichischen Museum für Kunst und Industrie (ÖMKI), dem heutigen MAK. Er verwandelte Heinrich von Ferstels Säulenhalle mit viel Stoff, Rüschenvorhängen an Wänden und Vitrinen in eine weiß-rosa Tüllwelt mit geheimnisvollen Umgängen, die mit dunklen Tapeten ausgekleidet waren. Peche-Biograf Max Eisler attestiert dem Raum „fremde Festlichkeit, gemischt aus exklusiver Eleganz und ländlichem Frohsinn.“

Dagobert Peche, Wiener-Werksätte-Stoff Marina, 1911/12 © MAK

Kurz darauf wurde Peche Leiter Wiener Werkstätte Filiale in Zürich, für deren Geschäft er Vitrine mit rechteckigen Stützen entwarf, die in unterschiedlichen Farb- und Linienverläufen mit Blättern bemalt waren und einen Baldachin trugen. Auf Tapeten sproßen Blattmotive und den kegelförmigen Rauchabzug des runden Kachelofens zierte ein Blumenstrauß. 1919 kehrte er in ein Wien zurück, das vom ersten Weltkrieg komplett zerrüttet war. Es gab keine Wohnungen, viel Elend und Tuberkulose. Auch Peche fand nur eine desolate, baufällige Bleibe, erkrankte an Krebs und starb 1923. Kaum zehn Jahre waren ihm geblieben, um ein einzigartig unkonventionelles, eigenständiges, zutiefst persönliches Werk zu schaffen.

Marco Dessi, Schrank „Dagobert Peche Revisited“, 2012

„Nicht umsonst stellen sich bei der Betrachtung vieler Entwürfe von Dagobert Peche Assoziationen an die Postmoderne ein. Die Infragestellung gewohnter Proportionen und Typologien und die Vernachlässigung statischer und funktionaler Aspekte zugunsten eines überbordenden dekorativen Formenreichtums lassen insbesondere seine Möbelstücke geradezu proto-postmodern erscheinen“, schreibt Sebastian Hackenschmidt. Im Werk von Adolf Krischanitz, Hans Hollein, Alessandro Mendini, sogar Gio Ponti finden sich durchaus Analogien. Marco Dessi bekannte sich mit dem Schrank „Dagobert Peche Revisited“ ganz offen zu ihm. „Allerdings fällt es schwer, Peches Möbeln postmoderne Pendants an die Seite zu stellen, die so eigenwillig, verspielt und ausschweifend wirken.“

Die Ausstellung Peche Pop

Der Katalog

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