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Garstenauer Kugel auf der Piste ©Judith Eiblmayr, 2017

Garstenauer Kugel auf der Piste ©Judith Eiblmayr, 2017

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Intuition und Disziplin

Judith EiblmayrvonJudith Eiblmayr

Gerhard Garstenauer war einer der interessantesten Architekten seiner Generation. Zum hundersten Geburtstag schenkte ihm das Salzburg Museum die Ausstellung „Garstenauer Einhundert.„

Gerhard Garstenauer war eine fixe Größe in der Salzburger Architekturszene, am Kreuzkogel realisierte er vier Skistationen, die heute noch wirken, als wären sie aus einem Science-Fiction Film auf die Piste gefallen. Die geodätischen Kuppeln aus Metall aber waren so konstruiert, dass sie der alpinen Witterung standhalten und außerdem einen 360° Panormablick ermöglichen. Heuer hätte Garstenauer seinen hundertsten Geburtstag gefeiert. Daher zeigt die Initiative Architektur in Salzburg noch bis 20. Februar 2026 eine sehenswerte Ausstellung. Weil der Nachlass des Architekten, der 2016 verstorben war, im Archiv des Salzburg Museums liegt, wurde diese Werkschau als Kooperation der beiden Häuser organisiert. Die jungen Garstenauer-Forschenden Leon Beu, Peter Lechner, Julian Mändl und Erich André Steiner wurden von Peter Husty, dem Leiter der Sammlung Architektur des Salzburgmuseums eingeladen, diese Ausstellung zu kuratieren. Letzteres wird gerade umgebaut, daher wird sie in der Initiative Architektur präsentiert.

Liftstation es Doppelsessellift Schiedeck in Sportgastein, 1972 ©Salzburg Museum, Andrew Phelps
Liftstation es Doppelsessellift Schiedeck in Sportgastein, 1972 ©Salzburg Museum, Andrew Phelps

Der Stil der Werkschau wird dem Vermächtnis des Architekten in erfrischend analoger Weise gerecht: Eine orthogonale Konstruktion aus Weichholz dient als Gerüst für Fotos, Pläne und Texte. Erstere sind auf Metallplatten, die Textpassagen auf färbigem Glas appliziert. Diese pure Art der Präsentation veranschaulicht ein Gedankengerüst, durch dass sich das Werk Garstenauers stimmig erschließt. Gleichzeitig entspricht die sehr präzise Ausführung der Ausstellungsarchitektur der Detailqualität, die auch Garstenauer für die Ausführung seiner Architektur eingefordert hatte.

©Judith Eiblmayr
Ausstellungansicht Salzburg Museum ©Maurice Rigaud

Gerhard Garstenauer (1925–2016) war unter den Architekten seiner Generation ein Forschender und Publizierender. Er ließ sich bei seinen Planungen nicht nur von einer hingeworfenen Entwurfsidee für einen definierten Bauplatz leiten, sondern befasste sich mit der Aufgabe und den vorgefundenen Gegebenheiten auch analytisch. „Intuition und Disziplin“ lautet der Titel eines Interviews, das Arno Ritter im Jahr 2009 mit Garstenauer führte Darin letzte er die Prämissen und Überlegungen bei der Planung seiner Projekte sehr genau dar. „Ich zeichne in der ersten Phase viel und versuche dabei stets die Faktoren Idee, Funktion, Konstruktion, Material und Form zu finden.“1 In der Entwicklung seiner Skizzen wird ersichtlich, dass diese Aspekte oftmals von Anbeginn an verschmelzen. Ausgehend von seiner Planungsidee nähert sich Garstenauer der Konkretisierung eines Entwurfs wissenschaftlich an. Zu diesem Vorgang zählt bei ihm unabdingbar die Recherche, die er seit dem Studium konsequent verfolgte: „Ich habe schon während meiner Studienzeit die zeitgenössische Architektur studiert; speziell die amerikanische Fachliteratur darüber,“ erzählte er weiter (ebd, S. 47). Dass er auch die Kurse bei Konrad Wachsmann, dem „ ‚reinen Forscher‘ unter den Architekten seiner Generation“ 2 an der Sommerakademie in Salzburg belegt hatte und sich von dessen „Konzepten inspirieren“ ließ (Ritter 2009, S. 47), ist aufschlussreich. Garstenauers forscherisches Interesse fiel dort auf fruchtbaren Boden und nährte den „analytischen, systemtheoretischen und konstruktiv betonten Ansatz“3 in seinen Entwürfen. Folgerichtig war Garstenauer auch an einer akademischen Laufbahn interessiert und promovierte 1966 am Institut von Karl Schwanzer an der TU-Wien zum Thema „Planungsgrundlagen für Hohe Schulen in Österreich: Neugründung, Auffindung der Strukturform“.

„Garstenauer Einhundert“ – Ausstellungsansicht ©Salzburg Museum / Maurice Rigaud

Die Ausstellung ordnet Garstenauers Werk in die Bereiche Industrie, öffentliche Bauten und Wohnen. Am Anfang seiner Karriere standen Gewerbebauten, das entsprach seiner technoiden Architektursprache. Nachdem Salzburg in der Besatzungszeit amerikanische Zone lag, wurde das Auto dort zu einem wesentlichen Wirtschaftsträger der Nachkriegszeit. Die Planung von Autohäusern war in Salzburg gefragt, als junger Architekt erhielt Garstenauer diesbezüglich einige Anfragen. Die USA interessierten ihn schon zu Studienzeiten.

Im Themenbereich INDUSTRIE der Ausstellung erfährt man, dass er spannenderweise bereits 1956 in den USA gewesen war. Mies van der Rohes Crown Hall in Chicago hätte es ihm angetan und so wählte er 1957 das gleiche Konstruktionsprinzip, um eine stützenfreie Reparaturhalle für die ÖFAG – Österreichische Fahrzeug AG herzustellen. Allerdings ist die außenliegende Rahmenkonstruktion nicht aus Stahl, sondern aus vorgespanntem Stahlbeton. Bei einer Halle für Meingast-Nutzfahrzeuge kam er 1960 jedoch auf Mies‘ System zurück und führte die Rahmen, die eine gläserne Box umklammern, in Stahl aus. Mit ausreichend Text unterlegt sprechen Fotos und Pläne für sich und bezeugen den american style der ersten Schaffensperiode des jungen Architekten.

Kongressbad Modell – Ausstellung Salzburg Museum © Maurice Rigaud

WOHNEN zeigt sowohl Garstenauers räumlich großzügig angelegte Villen als auch von ihm geplante Wohnbauten, viele seiner Auftraggeber kamen aus der Autobranche. Für die ÖFAG plante er 1958 in der Nähe des Flughafens eine Siedlung für Mitarbeiter*innen, die aus Einfamilienhäusern auf quadratischem Grundriss mit Flachdach bestand, was zu dieser Zeit als stilistische Herausforderung empfunden wurde. 1959-67 plante er das Haus Gänsbrunn, eine Villa für Hubert Pölz, den Gründer der ÖFAG. Die zwei Geschosse des großteils verglasten Kubus wurden von weit auskragenden Stahlbetondecken überspannt. Beeindruckend ist auch das Wohnhochhaus in der Althofenstraße aus dem Jahr 1971, das an Bauten der Metabolisten erinnert. Rund um den Liftkern sind kleine Wohneinheiten mit Balkon angeordnet, die in der Tiefe versetzt eine lebendige, gestaffelte Fassade ausbilden. Garstenauers eigenes Wohnhaus in Aigen (1977), das auch als Modell ausgestellt ist, rundet den Einblick in sein Schaffen im Wohnbau ab.

Das Kapitel ÖFFENTLICH ist vorwiegend Garstenauers Bauten in Bad Gastein gewidmet: Felsenbad, Kongresszentrum, die Schiliftstationen in Sportgastein und die Plexi-Gondeln der Stubnerkogelbahn werden mit Plänen und Fotos vorgestellt. Das Felsenbad kann man im Modell studieren, ebenso die „Garstenauer-Kugel“ und sogar im Maßstab 1 : 1 eine Stubnerkogel-Gondel: Nachdem diese jahrzehntelang in einer Scheune im Anlauftal gelagert war, ist nun ein Original dieses coolen, ikonischen Objekts aus Plexiglas ausgestellt.

Ausstellungsansicht Salzburg Museum @Judith Eiblmayr

Gerhard Garstenauers analytischer Ansatz beim Planen implizierte immer die genaue Recherche und die Ergründung eines architektonischen Leitmotivs: „Architektur ist Formung mit adäquaten Mitteln,“ lautet eine Notiz von Garstenauer, „es gibt kein absolutes Gesetz, stets sind Angemessenheit und Sachlichkeit gefragt.“ Bei der Entwicklung des „Kristalls“ beispielsweise, jenem Modul für Lifthäuschen in Sportgastein, der mittlerweile als „Garstenauer-Kugel“ ein Stück österreichischer Design-Geschichte darstellt, war der Weg der Formfindung für die Idee einer Liftstation ohne älplerische Anmutung zum fertigen Produkt erstaunlich kurz.

Gerhard Garstenauer hielt sich an die von ihm verfassten Leitsätze, von denen sich eine Menge in den Archivunterlagen finden: „Totale persönliche Erneuerung anstreben, neue Ziele formulieren, neue Methoden anwenden, immer den stärksten Ausdruck für eine Sache suchen. (wohl im stärksten Kontrast zur Umgebung, zur Tradition, zur bisherigen Einsicht, etc., etc.), schreibt er. Oder: „- Glieder stets sehr stark artikulieren (schräge Anschnitte) und „-Hüllen schaffen“, „-Steigerung des Ausdrucks durch Erfüllung semantischer Faktoren.“

Ausstellungsansicht ©Salzburg /Maurice Rigaud

Gleichzeitig war er immer gut informiert, was international am Architektursektor en vogue war, und ließ dieses Wissen in seine Architektur einfließen. Die Werkschau in der initiative Architektur erhebt keinen Anspruch auf Vollkommenheit, sondern beschränkt sich auf die wichtigsten Bauten Garstenauers. In der wohltuend klaren Struktur der Ausstellung ist das ebenso wohltuend klare und moderne Werk adäquat präsentiert. Im OFFENEN ARCHIV kann man selbst ein wenig im Archivmaterial stöbern, das wegen des großen Umfangs bis heute noch nicht fertig archiviert ist. Jana Prinz hat von Birgit Silberbauer die Katalogisierung übernommen. Diese Arbeit bildete für das Forscherteam die Grundlage, um überhaupt eine Ausstellung kuratieren zu können.

Der Katalog fasst das Symposion „Gerhard Garstenauer – damals, heute – morgen?“ im April 2024 zusammen. Er begleitet Garstenauers Werk wissenschaftlich und liefert spannende Hintergrundinformationen. „Garstenauer Einhundert“ ist noch bis 20. Februar 2026 zu sehen – unbedingt anschauen!

1 (Arno Ritter (Hg.), Konstantmodern. Fünf Positionen zur Architektur. Atelier 5, Gerhard Garstenauer, Johann Georg Gsteu, Rudolf Wäger, Werner Wirsing, Wien 2009, S. 46–63) 2Heinrich Klotz (Hg.), Vision der Moderne. Das Prinzip Konstruktion (Ausst.-Kat. Deutsches Architekturmuseum Frankfurt a.M.), München 1986, S. 236 [236-55]. 3 Zitat Achleitner, in: „Gerhard Garstenauer – Architekt Planer Konstrukteur Lehrer Kritischer Bürger“, in: azw (Hg),, Interventionen, Salzburg 2002, S. 11.

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