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Die Villa Beer - frisch saniert © Hertha Hurnaus 2026

Die Villa Beer - frisch saniert © Hertha Hurnaus 2026

in bauten

Liebe auf den ersten Blick

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Lang lag die Villa Beer im Dornröschenschlaf, Sanierungsfall und Denkmalschutz schrecken Kaufinteressenten ab. Lothar Trierenberg aber war von ihrer Architektur sofort ergriffen, erwarb das Haus, beauftragte Architekt Christian Prasser mit der behutsamen Renovierung und machte alles richtig. Ab 8. März sind die großartigen Raumfolgen von Josef Frank und Oskar Wlach im Rahmen von Führungen und Events zu erleben.

Mit dem Brünner Haus Tugendhat von Mies van der Rohe teilt sich die Wiener Villa Beer das Baujahr, beides sind herausragende Bauten der klassischen Moderne und wurden 1929/30 errichtet. Ersteres ist weltbekannt und seit 2001 sogar UNESCO-Weltkulturerbe, die Villa Beer aber blieb lang unter dem Wahrnehmungsradar einer breiteren Öffentlichkeit. Josef Frank und Oskar Wlach hatten sie geplant, mit Sicherheit ist sie eines der bedeutendsten Werke der Wiener Moderne. In beiden Häusern manifestieren sich zwei diametral entgegengesetzte Auffassungen.

Die Gartenseite der Villa Beer © Hertha Hurnaus 2026_19
Die Gartenseite der Villa Beer © Hertha Hurnaus 2026

In seiner Villa Tugendhat folgt Mies van der Rohe vom Stützenraster über den freiem Grundriss, die Fensterbänder, das Flachdach und die Materialgerechtigkeit akkurat der Doktrin der funktionalistischen, internationalen Moderne, sowie seine Bauherrenschaft dem Diktat des bewunderten Mies van der Rohe, der neben seiner Architektur keinerlei Wandschmuck duldete. Von der Villa Beer hingegen gibt es nicht einmal einen Einreichplan, denn Josef Frank traf viele seiner Entscheidungen direkt auf der Baustelle. Nur vor Ort waren die faszinierenden Raumwirkungen, die sich bei der Bewegung durch dieses Haus auftun, wirklich zu überprüfen, wenn nicht sogar erst zu entdecken. Diese Qualität vermittelt sich weitaus schwieriger als verchromte Stahlstützen mit kreuzförmigem Profil oder eine durchscheinende Wand aus Onyxmarmor aus Marokko. Regiert bei Mies die strenge Kontrolle, ist es bei Frank und Beer die subtile Balance aus sehr präziser Raumwirkung und größtmöglicher Freiheit.

Die Seitenansicht der Villa Beer ©Hertha Hurnaus 2026

Keine zwei Jahre konnte die kunstsinnige, jüdische Bauherrenschaft in der Villa Beer wohnen, bevor Julius Beer als Hauptgeschäftsführer aus der Berson Kautschuk-und Gummisohlenfabrik ausgeschieden und in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Auch die zwischenzeitliche Vermietung – immerhin an kultivierte Menschen wie Jan Kipura, Richard Tauber, Martha Eggerth – konnte nicht verhindern, dass das Haus schließlich an die hypothekenfinanzierende Allianz und Giselaverein-Versicherungs-AG fiel. Dem Nationa…

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