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Lob der Langsamkeit

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Alles dreht sich seit Jahrzehnten nur noch um Effizienz und Optimierung und weil die Drehbewegung derartig rasch ist, fällt niemand auf, dass sie in Wirklichkeit doch immer nur um einen Punkt kreist. Das liegt in der Natur der Sache, also in diesem Fall der Drehung, deren Geometrie einen Mittelpunkt erfordert, sonst wäre sie keine.

Die Mitte, um die sich alles dreht, ist das eigene Selbst, das tote Auge in der Mitte des Orkans, dessen Drehgeschwindigkeit sich ständigt erhöht. Das Ziel bleibt gleich. Mehr Effizienz, mehr Optimierung, smart Apps unterstützten dabei. Es gibt de facto keinen Zentimeter der eigenen Effizienzmessung, der mit digitaler Hilfe nicht kontrollier- und überprüfbar wäre. Schritte werden gezählt, verbrannte Energien berechnet, Schlafzeiten registriert, die Ernährungsweise überprüft, dokumentiert und abgeglichen mit dem Ideal. Die Differenz des Ist und Soll, die Distanz dazwischen, sowie der Weg dorthin, inklusive digitalem Therapieangebot.

Eigentlich gibt es keinen Bereich mehr, der durch smart devices nicht zu kontrollieren wäre – alleine die Existenz der Möglichkeit legt deren Gebrauch nahe. Alles immer schneller, besser, präziser, umfassender und totaler. Total und Totalitarismus liegen nah beieinander. Und – das beste dran: ohne externe Kosten zu erzeugen, das optimierwillige Selbst ist der beste Zuchtmeister und Daten gibt es obendrein frei Haus. Die gibt es in jedem Fall, auch träge Konsumenten und Konsumentinnen tragen dazu bei, dass der Grundumsatz an Dienstleistungen und Waren steigt. Plattformen wie Mjam Mjam, Lieferando und Konsorten alle stellen ständig immer schneller zu, die Umsätze dieser Unternehmen steigen und mit ihnen die Zahl derer, die in prekären Verhältnissen arbeiten. Je rascher, umso mehr Botendienste.

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MQ Libelle, 2020 © Ortner&Ortner, Wien
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