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Stoffmuster von Josef Frank Filmstill ©Interspot

Stoffmuster von Josef Frank Filmstill ©Interspot

in film

Moderne à la Frank

Isabella MarboevonIsabella Marboe


Josef Frank bereicherte die Architektur der internationalen Moderne um eine Stimme voller Farbe, Humor und Bewegung. Vom Möbel über das Siedlungshaus bis zur Villa Beer ging es ihm immer um den Menschen. Rudolf Klingohr schenkte ihm zum 140. Geburtstag den Dokumentarfilm: „Stil und Blüten.“

Ein Drohnenflug über die Wiener Werkbundsiedlung, ein kurzer Schwenk in das lichtdurchflutete Wohnzimmer der Villa Beer mit ihrer Galerie von der Leichtigkeit einer Reling, dann ein langes Verweilen im fantastische Universum eines Stoffmusters. Willkommen im Dokumentarfilm „Josef-Frank – Stil und Blüten“ von Rudolf Klingohr. Er drehte ihn, weil der große Architekt und Designer vor genau 140 Jahren, am 15. Juli 1885 in Baden bei Wien geboren wurde. Die Kamera begleitet das Team quer durch Franks Bauten in Wien, Niederösterreich, Stuttgart und Schweden, nimmt Möbel und Stoffe ins Visier, viele Frank-Experten und Expertinnen kommen zu Wort, Bewohner und Bewohnerinnen öffnen ihre Türen und erzählen von ihren Häusern.

Villa Bunzl (Filmstill) © Interspot
Villa Bunzl (oben), Werkbundsieldung Flugbild (mitte), Detail (unten) © Interspot

„Modern ist, was uns die größtmögliche Freiheit gibt“, bringt Hermann Czech, einer der belesensten Architekten des Landes, Josef Franks Auffassung auf den Punkt. Frank betrachtete das „Haus als Weg und Platz“. Es war angelegt wie eine kleine Stadt, voller Straßen, Wege, Plätze. Seine Architektur ist ein Erlebnis voll überraschender Situationen. Ein Haus im Schweden zwingt nach dem Eintreten zu einer Drehung, die erst den Blick in einen großen Raum mit verschiedenen Nischen öffnet: für drei Himmelsrichtungen und Tageszeiten eine, sowie eine vierte, geschützte zum abendlichen Rückzug. Frank ging es immer um den Menschen, dem sich Einrichtung und Architektur unter zu ordnen hatten. Er kannte keine Scheu vor der Farbe, jeder Dogmatismus war ihm fremd. Seine Häuser gehorchen keinen strengen Symmetrien, sie sind absolut unorthodox. Unterschiedlich hohe Räume, die oft fließend ineinander übergehen, zweigeschossige Nischen und verschiedenene Fensterformate schaffen ganz spezifische Orte, der Bezug zur Landschaft spielt immer eine wesentliche Rolle.

Die kleine Eingangstür der Villa Beer ist ein Kunstgriff: Nach ihrer Enge wirkt der lichtdurchflutete, hohe Salon mit der geschwungenen Treppe auf die Galerie umso großzügiger, zweigeschosshohes Glas erzeugt in einer trapezförmige Nische den Eindruck, im Garten zu sitzen, ein kreisrundes Fenster, das nach japanischer Manier den Blick in die Außenwelt rahmt, verbreitet ausgewogene Harmonie. Die Villa Beer ist gleichermaßen das Gegenstück zu Mies van der Rohes Villa Tugendhat in Brünn. Dort stellte jedes von den Bewohnern und Bewohnerinnen eigenmächtig an die Wand gehängte Bild einen Affront darstellte.

Details Stiege ©Marboe
auf die Galerie ©Interspot
Teenische in der Villa Beer – noch lange vor der Sanierung ©Isabella Marboe

Lang war die Zukunft der Villa Beer ungewiss, weil die Sanierung dieses modernen Hauses mit seinen unzähligen speziellen Details extrem aufwändig ist. Die feingliedrigen Fensterprofile, die zarten Säulen, die den sehr hohen, kleinen Balkon tragen, die horizontalen Stahlrohrgeländer: hier ist so gut wie gar nichts normkonform und strotzt alles von Kältebrücken. Sie hat glücklicherweise den genau richtigen Besitzer gefunden. „Ich liebe dieses Haus. Diese Emotion war sofort klar“, sagt Lothar Trierenberg, Gründer und Geschäftsführer der Villa Beer Foundation. „Dieses Haus möchte von mir gerettet werden.“ Er will das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Derzeit wird es gerade ausführlich beforscht und umsichtig saniert.

Josef Frank studierte an der TU Wien, sein erster Auftrag war die Gestaltung der Wohnung seiner Schwester Hedwig, die gerade geheiratet hatte. Er entwarf auch ihre Einrichtung, die Tür einer Kommode war mit einem schwarz-weißen, mäanderförmigen Labyrinth geschmückt, in dem stand: „Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich….“ 1925 gründete Frank mit seinem Kollegen Oskar Wlach gemeinsam das Einrichtungshaus „Haus und Garten“ gegründet, das die Planung von Häusern, Wohnungseinrichtungen und einzelner Möbel anbot. „Wo neuer Wohnraum entsteht, braucht es Möbel mit Konzept.“ Frank und Wlach entwarfen ihre Interieurs und Wohnungen sehr individuell. Sie entwarfen kein ganzes Sofa, sondern kombinierten leichte, geflochtene Beistellstühle, Fauteuils und Hocker zu Sitzgruppen, die dem einzelnen viel Freiheit ließen. Ihre Arbeit trug wesentlich dazu bei, den Ruf des „Wiener Möbels“ zu begründen.

Eine Ikone wird umsichtig saniert ©Studio Huger

Frank hatte den Humor und die Offenheit, die unter vehementen Vertretern einer radikalen Moderne nicht weit verbreitet war. Sie folge klaren Regeln: Weiße Wände, Flachdach, Bandfenster, kubische Baukörper, gerade Linien. Das Diktum „Weniger ist mehr“ von Mies van der Rohe ist längst ein geflügeltes Wort und wurde fast zum Synonym für die Bewegung. 1927 leitete den Bau der Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Diese Mustersiedlung war Teil der Werkbundausstellung und gebaute Manifest eines neuen Lebensstils. Als einziger österreichischer Architekt wurde Josef Frank zur Teilnahme eingeladen. Das ist umso erstaunlicher, weil er kein typischer Vertreter einer radikalen, strengen Moderne war und keiner Doktrin folgte. „Er hatte einen sehr wienerischen Zugang zur Einrichtung und wollte sicher auch etwas provozieren“, erzählt Architekturhistorikerin Maria Welzig und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Es gab extra keine Stahlrohrmöbel, dafür bunte Teppiche, Pölster und Vorhänge.“ Das genügte für einen Skandal.Trotzdem wurde Frank – wieder als einziger österreichischer Architekt – in die elitäre Rund der Mitbegründer des CIAM (Internationale Kongresse für Neues Bauen) geladen. Das war eine große internationale Anerkennung, doch nach der ersten Sitzung trat er wieder aus. Hermann Czech vermutet, dass ihm der CIAM zu dogmatisch würde. Die Moderne verfestigte sich wieder zu einem Stil, das war gegen sein Wesen.

1930 initiierte und leitete er die Internationale Werkbundausstellung in Wien. Frank ging es um Vielfalt – viele unterschiedliche Positionen und individuelle Ausprägungen der Moderne finden sich dort. „Er hatte eine Angst vor Dogmatismus und wendete sich keiner Strömung zu“, sagt Hermann Czech. „Zur Werkbundsiedlung in Wien lud er nur Leute ein, die nicht in Stuttgart waren.“ Adolf Loos zum Beispiel, Gerrit Rietveld, Margarethe Schütte-Lihotzky.

Kindertagesheim im niederösterreichischen Ortmann (Filmstill) ©Interspot

Für den Papierfabrikanten Hugo Bunzl plante er eine Villa in Niederösterreich. Sie hat ein steiles Dach mit dreieckigen Gaupen, einem gebauchten Kaminschlot und Fenster, die mit Ziegeln ummauert sind. Später baute er eine Arbeitersiedlung für Bunzls Belegschaft und 1921 ein Kindertagesheim in Ortmann. „Das ist zwar nicht so bekannt, aber eines seiner wichtigsten Werke“, sagt Maria Welzig. Es hat einen markanten Eingangsturm, große Fenster, die viel Licht hereinlassen und ein zweigeschosshohes Foyer mit einer bunt bemalten Decke. Außerdem gab es ein Flachdach – damals keine Selbstverständlichkeit – das als Terrasse genutzt wurde. Das Haus wollte etwas von dem Boden, den es verbaut hatte, wieder zurückgeben.

Skizze der Ecke des Winarskyhofs ©Otto Kapfinger

Josef Frank plante für die Siedlerbewegung, Monika Hubik lädt das Kamerateam in den wunderbaren Garten ihres kleinen Reihenhauses in der Siedlung Hoffingergasse. Ihr Urgroßvater und ihr damals 15jähriger Großvater waren an deren Bau beteiligt. Sie weiß viel. Dass die Gemeinde Wien einen Ziegenkredit gab, weil Ziegen einfach zu halten sind und eine Männerarbeitsstunde so viel wie zwei Frauenarbeitsstunden galten. Am Ende wurden die fertigen Häuser unter den Siedlern und Siedlerinnen verlost. Frank plante in den Wohnungen nur Zwischenwände – das ermöglicht eine große Flexibilität. „Es ist sehr einfach, eine Wand umzulegen“, sagt Frau Hubik. „Einmal mit dem Vorschlaghammer drauf – und das Ding fliegt!“

Otto Kapfinger (Filmstill) © Interspot
Die Fenster im Franks Baueil im Winarskyhof sind besonders groß, weiß Architekkturtheoretiker Otto Kapfinger (Filmstill) © Interspot

Frank plante auch einen Bauteil im Winarsky-Hof. Architekturhistoriker Otto Kapfinger erklärt, wie intelligent er die Ecke auflöste und dass er nur Dreispänner plante. Dadurch haben die meisten Wohnungen von zwei Seiten Licht. „Er hat keinerlei Dekor, dafür optimierte Grundrisse. Zwei Drittel Wohnungen sind durchgebuden und querdurchlüftbar“, so Kapfinger. „Der Anteil der Fenster ist viel höher als bei den anderen Bauteilen.“ Der Architekturhistoriker fertigte extra eine leicht lesbare, kolorierte Skizze an, die er „genau!“ zur Verfügung stellte. Im Film zeigt Monika Geller stolz ihre Wohnung. Schon ihre Großeltern und Eltern lebten hier. „Ich habe Morgen-, Nachmittags- und Abendsonne. Die Ecke ist mit der Loggia als Freiraum gestaltet. Im Sommer ist das ideal.“

Im Jahr 1928 entwarf er zum hundertjährigen Jubiläum der Firma Bösendorfer einen Flügel. Das sehr zartgliedrige, zinnoberrote Instrument mit den schlanken Fußen und der schachbrettgemusterten Einfassung aus Ahorn und Palisander war bei der Weltausstellung in Barcelona ausgestellt.

Interieur à la Frank: Kein einheitliches Möbel, sondern lauter Individualisten. © Interspot

Und dann kam Adolf Hitler. Frank hatte Glück: seine Frau, die schwedische Pianistin Anna Sebenius und politisch hellhörig genug, um die Zeichen der Zeit sofort zu verstehen. Die beiden emigrierten bereits 1933 nach Schweden, wo Frank der zweiten wichtigen Frau seines Lebens begegnete: Estrid Ericson, die das Design- und Einrichtungshaus Svenskt Tenn führte. „Sie hielt seine Möbel für die schönsten, die sie je gesehen hatte“, erklärt Thommy Bendefeld von Svenskt Tenn. Sie tat, was er wollte und er tat, was sie sich wünschte, so ähnlich beschrieb ein Journalist ihre Beziehung. Franks zweite Karriere begann. In Schweden baute er kaum mehr, worunter er sehr gelitten hat. Doch er wurde zu einem der maßgeblichsten Designer des Landes, der viele Generationen beeinflußte. Viele schwedische Botschaften sind damit ausgestattet. Bis heute produziert Svenkst Tenn seine Stoffe und baut seine Möbel. Im Film ist zu sehen, mit welcher Achtsamkeit und Wertschätzung das passiert.

An die tausend Stoffmuster hat er entworfen, sie sind unverkennbar. Meere aus leuchtenden Farben in den gewagtesten Kombinationen, belebt von Papageien, exotischen Pflanzen, fantastischen Blumen. Jedes eine eigene Welt, hier wird selbst der strenge Straßenraster von New York zum lebendigen Geflecht. „Man kann sich das über Jahre hin anschauen und findet immer wieder neue Details“, sagt Architektin Claudia Cavallar, die sich sehr intensiv mit Frank und seiner Villa Beer auseinandersetzte. Sie sind durchdrungen von Fantasie, Humor, voller Fülle und Liebe zum Leben und zur Welt.

„Stil und Blüten“

Villa Beer

schaufenster

ausstellung

Beton für den Dom

buch

Power Lady

MQ Libelle, 2020 © Ortner&Ortner, Wien
ausstellung

Arbeit an der Libelle

Assemble Group Photo © Assemble
buch

Die Weltverbesserer

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