Der Fotograf Rainer Viertlböck porträtiert die bayerische Landeshauptstadt. Vom Friedensengel bis zur Eisbachwelle zeichnet er ein vielschichtiges Stadtbild, das nun im Verlag Schirmer-Mosel in einer erweiterten Auflage erschienen ist.
sandra hofmeister, castello books
München liegt am Meer. Manchmal hat die Stadt an der Isar nämlich recht viel mediterranes Flair. „Die nördlichste Stadt Italiens“, hat mein Vater immer gesagt. Das Land wo die Zitronen blühen ist nicht weit – gleich hinter den Alpen liegt dann auch das Meer. Ein Katzensprung. Wer es aber doch nicht dorthin schafft, kann erst mal mit der Eisbachwelle am Haus der Kunst Vorlieb nehmen. Es heißt, das wäre was ganz Außerordentliches, und das stimmt. Als ich vor einigen Jahren in Montreal war, wollten mir meine Freunde unbedingt ihre Welle am Sankt-Lorenz Strom zeigen. Sie sei fast so gut wie die Eisbachwelle, haben sie mir damals erklärt. Und dort gab es tatsächlich auch Surfer, sie kamen mir ziemlich lebensmüde vor in diesem großen reißenden Strom.

Pünktlich zum Amtsantritt des neuen Bürgermeisters Dominik Krause – ja genau, München hat einen neuen grünen Oberbürgermeister, und er ist 35 Jahre alt. Also nach seinem Wahlsieg zum offiziellen Amtsantritt am 11. Mai konnte Dominik gleich die Eisbachwelle nach langer Sperrung wieder eröffnen. Es gab länger schon Probleme, die Sache war vertrackt. Irgendwie ist der Untergrund des Bachs im Englischen Garten bei einer Reinigung so bearbeitet worden, dass die Welle nicht mehr da war … Aber alles Schnee von gestern, jetzt kommt eine bessere Zukunft!

Rainer Viertlböck ist auch Münchner, genau wie Dominik Krause und ich. Er hat ein wunderbares Stadtporträt für Verlag Schirmer-Mosel erstellt, das jetzt in einer erweiterten Auflage erschienen ist, ergänzt um Fotos bis 2025. Die weltberühmten Wahrzeichen, Hauptverkehrsadern und Entdeckungen sind da zu sehen. Selbst für Münchner:innen gibt es davon einige in dem Buch, denn so genau wie Rainer Viertlböck schauen wir uns unsere Stadt offenbar doch nicht an. Manchmal wirkt München in seinen Fotos wie ein Dorf, dann wieder kitschig, oder wie ein Verkehrsmoloch. Zumindest hat es recht viele Gesichter, die sich auf 108 Stadtbildern Fotografen erkunden lassen. Und ja, ganz wichtig – in Farbe! Das sagt auch der Buchtitel schon.

Fast hätte ich’s zum Schluss ganz vergessen: Natürlich hat Rainer Viertlböck auch die Eisbachwelle festgehalten – Münchens heimliches Wahrzeichen und mit ein Grund dafür, dass die Stadt nach längerer Pause wieder am Meer liegt. Probieren Sie’s mal aus!
Vielen Dank an unsere Medienpartnerin Sandra Hofmeister von castellobooks für diesen Text.
Zum Buch: Rainer Viertlböck, München in Farbe 108 Stadtbilder von 2009 bis 2025
Nicola Borgmann (Hg.), mit Texten von Christian Ude, Ulrich Pohlmann, Elisabeth und Michaela Angermair
180 Seiten, 108 Farbtafeln, 109 Abbildungen Schirmer-Mosel, München 2026 ISBN 978-3-8296-1028-5




