Der brutalistische Riegel aus den 1970ern von Vladimír Dedeček war nur eine der vielen sanierungsbedürfigen Zeitschichten, die das Architekturbüros BKŠP Kusý-Paňák beim Um- und Ausbau der Slowakischen Nationalgalerie in Bratislava meisterhaft mit der Stadt verwoben hat.
Keine Stunde braucht man per Bahn oder Flixbus von Wien nach Bratislava, das etwa so weit entfernt wie Krems – und schon eine ganz andere Welt ist. So eine spektakuläre Brücke wie die des Slowakischen Nationalaufstandes – kurz Most SNP – muss man in Österreich lange suchen. Wenn man sie denn überhaupt findet. Sie verbindet Petržalka, ein Paradebeispiel realsozialistischer Quartiersentwicklung in Plattenbauweise mit der historischen Altstadt. Bauingenieur Arpád Tesár, sowie die Architekten Jan Lacko und Ivan Slameň konstruierten diese ikonische asymmetrische Hängebrücke. Ihre Hauptspannweite beträgt 303 Meter, das Restaurant an ihrer Spitze wirkt wie gerade aus dem Raumschiff Enterprise gelandet. Der Ausblick aus der schräg auswärts geneigten Rundumpanoramafassade ist phänomenal. 2001 wurde die Brücke zum „Bauwerk des Jahrhunderts“ erklärt.

Keine fünf Minuten geht man von dort zur Slowakischen Nationalgalerie, deren Ausstellungsräume aus den 1970ern als mächtiger, kantig abgetrepper, roter Riegel 75 Meter lang zwischen den beiden barocken Seitentrakten des historischen Museums über den Hof schweben. Der große Vladimír Dedeček hatte diese Säle in die Luft gehoben, um den Blick zur Donau frei zu halten. Auch dieser Zubau ist eine Brückenkonstruktion, deshalb taufte man ihn „Brücke“, auch er bietet einen phänomenalen Ausblick zu Burg, Altstadt, Donau – und Most SNP. Den gibt es allerdings noch nicht lang, er ist einer Königsidee des Architekturbüros BKŠP Kusý-Paňák zu verdanken, das 2005 den Wettbewerb zu Sanierung und Erweiterung der slowakischen Nationalgalerie gewonnen hat.

Die Voraussetzungen zur Erweiterung waren schwierig: treffen hier doch an einem städtebaulich sehr prominenten Ort in einem gewachsenen Ensemble diverse Zeitschichten mit grundverschiedenen Sanierungserfordernissen aufeinander, die neue Funktionen aufnehmen müssen. BKŠP verfolgten ein Strategie, die einfach klingt, aber umso schwieriger umzusetzen ist: Jeder Epoche Respekt zu zollen, ihre Stärken freizulegen und alles Neue so lapidar wie möglich als stimmige Ergänzung hinzuzufügen. „Wir suchten keine starke Geste, die ist schon da. Wir wollten eine Verbindung zur Stadt schaffen, der Hauptplatz ist nur 50 Meter entfernt“, so Paňák.
Es sah nicht …







