Die Leidenschaft des Architektenduos Iva Letilovic und Igor Pedišic gilt der Transformation historischer Bauten in die Gegenwart. Seit Jahrzehnten arbeiten sie im Studio AB forum in Zadar zusammen. Ihre Architektur prägt die Stadt. Besonders spektakulär tritt sie bei den Museen „Zwei Paläste“ zu Tage.
Zadar ist eine Stadt an der adriatischen Ostküste, deren Entstehung auf die Gründung der römischen Kolonie Jadera im 1. Jahrhundert zurückzuführen ist. Auch heute noch sind die historischen Schichtungen in der Stadt ablesbar. Sie reichen von den Römern bis über das Mittelalter, die Renaissance und das 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Die urbane Struktur von Zadar aber ist vor allem von den Römern bestimmt. Der Ost-West verlaufende Decumanus Maximus ist bis heute die Hauptstrasse der Altstadt – die Calle Larga.

Igor Pedišic zählt zu den berühmtesten Architekten von Zadar, wo er 1992 sein Studio AB forum eröffnete. Seit dem Jahr 2007 führt er es gemeinsam mit Architektin Iva Letilovic, die ursprünglich aus Zagreb stammt. Längst führen beide das Studio lebens- und arbeitspartnerschaftlich gemeinsam. Am meisten beschäftigen sie sich mit historischen Objekten im Kern der Altstadt. Konservative, tradierte Methoden sind ihrer Praxis fremd. Im Gegenteil: sie können gar nicht anders, als kompromisslos den wesentlich schwierigeren Weg der Forschung zu beschreiten, jede Aufgabe zu hinterfragen und kein konstruktives Wagnis zu scheuen. Das führt bei der Bewältigung von Hindernissen zu überraschenden Lösungen.

Die daraus resultierenden Konzepte sind radikal und unerwartet, wie es beispielsweise die Projekte: „Fünf kleine Häuser im Garten“ oder die neue Aufstellung der Abteilung für die Antike im Archäologischen Museum von Zadar zeigen. Ein etwa hundert Jahre altes Haus im historischen Stadtzentrum der Insel Silba hatte weder Wasser, noch Saniäreinrichtungen und Bad. In seinem Innenhof stellten die Architekten 5 archaische, schmale Volumen mit steilen Sheddächern aus Sichtbeton von 1,5 m2 Grundfläche in einer Reihe nebeneinander. Die Freiräume zwischen ihnen schaffen kleine Vorplätze, jedes Haus erfüllt eine für den Ferienalltag notwendige Funktion.
Radikal und mutig ist auch die Neuaufstellung der klassischen Periode im archäologischen Museum von Zagreb. In der Mitte des Ausstellungsraumes sind in rhythmischem Abstand selbsttragende, modulare Stahlrahmen situiert, deren Unterteilungen die Größe der Objekte berücksichtigen. Sie ermöglichen es, unterschiedliche Kapitel zusammen zu fassen und werden gleichsam zur Bühne für die Exponate Objekte aus der Römerzeit.

Die Renovierung – und Umbauarbeiten an den historischen Denkmälern im Stadtkern sehen die Architekten nicht als Konservierung oder Rekonstruktion, sondern viel mehr als zeitgenössische Eingriffe im Dialog mit der historischen Substanz. Ein Turm der mittelalterlichen Stadtmauer, das sogenannte „Kleine Arsenal“ wurde in ein Besucherzentrum transformiert. Durch die multimediale Darstellung als gleichwertiges Raumelement ist der tatsächliche Raum dematerialisiert.
Der Entstehungsprozess des vielbeachteten Projektes „Zwei Paläste“ nahm ganze zehn Jahre in Anspruch. Zwei barocke Paläste, der Gouverneurspalast und der Providurplast, einst Sitze der Venezianischen Machthaber, sollten renoviert und neuen Funktionen zugeführt werden. Iva Letilovic und Igor Pedisic verstehen das Museum als eine Architektur der Bewegung, sie intervenierten also mit einem Gewebe aus Stiegen, Aufzügen und Brücken, die neue Verbindungen zwischen dem Bestand und mit der Stadt schaffen.







Eine Überspannung mit transluzentem Polycarbonat bildet zwischen den beide Palästen eine überdachte Piazza. Die Palastfassaden wurden zu Innenwänden der Piazza, die gleichzeitig als Eingangshalle für diverse kulturelle Einrichtungen in den renovierten Palästen fungiert. Dadurch Es ist ein neuer offener Stadtraum entstanden, der auch das Herz des ganzen Projektes darstellt. Von der Halle erreicht man zwei Museen, die städtische Bücherei, eine Galerie und einen Konzertsaal. Darüberhinaus wird die Halle selbst auch zum Ausstellungsraum. Im hohem luftdurchfluteten Raum kreuzen sich alle Wege – Stiegen und Brücken scheinen zu schweben. De facto hängen sie an einem Stahltragwerk, das hoch über der transparenten Überdachung liegt. Der schlangenförmige, verglaste Korridor, von dem aus man auch das historische Stadtkern betrachten kann, ist gleichzeitig das Kommunikations- und Konstruktionsrückgrat des Projektes. Dieses auskragende Glasvolumen mit der darüber liegenden Fachwerkskonstruktion ist nicht nur eine gewaltige architektonische Geste, es beinhaltet auch die notwendige Haustechnologie. Dieses expressiv zwischen die alten Dächer gesetzte Zeichen einer neuer Zeit fügt sich in das Gedächtnis der tausendjährigen Stadt.
Besser als Iva Letilovic und Igor Pedisic selbst kann man ihre Entwurfsarbeit nicht beschreiben: „Instinkt und Intuition sind durch geschichtetes Wissen und Erfahrung, nicht unbedingt von dem Bereich der Architektur bestimmt“.
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