Von Athen kennt man vor allem die Akropolis. Das klassische Bildungsbürgertum, Architektur-, Kunstschaffende und Touristenscharen bewunderten und bewundern sie. Der Rest der Stadt wird oft ignoriert. Wie schade! Über die Beziehung von Architektur und Demokratie.
Die Akropolis ist das Maß aller Dinge: Sie ist das Idealbild einer Stadt, in der sich Architektur mit dem Ideal einer egalitären Gesellschaft verbindet. Auch im heutigen Athen manifestiert sich Egalität: Es ist im Prinzip ein dicht geknüpfter Häuserteppich, der sich über eine hügelige Topografie legt, nur weniges hebt sich ab und ragt heraus, das Wenige sind entweder Hügel oder Kulturbauten. Auch die Akropolis steht erhöht und ist von überall zu sehen. Das Ideal der Demokratie und die immanente Spiritualität eines Tempels sind hier allgegenwärtig.

Athen nimmt in gewisser Weise die Zukunft vorweg: allein topografiebedingt ist es eine Stadt der kurzen Wege und außerdem eine essbare Stadt. Man könnte sagen, das sei das Klima. Das stimmt – es ist aber auch Stadtgestaltung, die Bäume zulässt und die Tatsache, dass ihre Wurzeln den Gehsteigasphalt sprengen, gelassen hinnimmt. „Wir haben zu wenig Grün“, sagt der Jogger, der den Lycabettushügel hinunter läuft und bei der Touristin kurz anhält, die fasziniert die Kakteen mit den Kaktusfeigen fotografiert.




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