Der Fotograf Peter Bialobrzeski porträtiert Städte: Seine Aufnahmen sind in vielen schönen kleinen Büchern bei Hartmann Books erschienen. Es sind Reisetagebücher mit Beobachtungen, die Alltägliches festhalten – zum Stöbern, Entdecken, Beobachten. Und für die Poesie.
sandra hofmeister, castello books
Könnte ich mir etwas wünschen, dann wäre das, so zu fotografieren wie Peter Bialobrzeski. Jedesmal, wenn ich seine Aufnahmen und Beobachtungen zu Städten sehe, bin ich wieder überrascht. Im Ernst, viel besser als mit Worten lassen sich Straßen, Häuser und der Alltag der Menschen in der Stadt mit der Kamera festhalten – so wie bei Peter Bialobrzeski!



New York und Norderney, Palermo und Tiblissi: Die Bildsprache der Aufnahmen ist immer gleich, scheinbar neutral, beobachtend. Der Himmel ist meistens fahl, dadurch treten die Häuser, Menschen, Autos und Straßenszenen in den Vordergrund. Stimmungen werden dadurch anschaulich – fast kann man die Atmosphäre riechen. Was sich auf diese Weise in den Fotobüchern entfaltet, hat den Anspruch auf Objektivität, auch wenn es die vielleicht gar nicht gibt. Palermo zum Beispiel: Vor einem Straßenhändler an einer Kirchenfassade stehen ein paar Männer und begutachten die Ware auf einem Tisch in bunten Eimern. Was mag das wohl sein? Ein Kiosk vor einem Hochhaus, wahrscheinlich in den frühen Morgenstunden, fast eingewachsen von einem Baum, der seine Krone ausbreitet als ob er die kleine Bude verschlingen wollte.
New York und Norderney
2013 begann Peter Bialobrzeski mit dem global angelegten Langzeitprojekt: 50 Städte in 50 Bücher will er für die „City Diaries“, so die Reihe bei Hartmann Books, erkunden. Die Fragen für seine Stadtstreifzüge: Lässt sich das Bild von Städten, das aus Vorurteilen und klischeehaften Medienbildern besteht, auch in echte Bilder übersetzen? Worin zeigen sich kulturelle Unterschiede tatsächlich? Was sind die Differenzen im Zeitalter der Globalisierung? Genau hier liegen auch die Grenzen dieser Technik: eine „echte“ Stadt im Bild gibt es gar nicht – und ja, alle Aufnahmen sind von Peter Bialorbzeski, es sind seine Interpretation, seine Perspektive und seine Fotos.




Von George Town bis Sarajewo ist Bialobrzeski bereits gereist. Auch Unna und Kuching sind schon als kleine Fotobände bei Hartmann Books erschienen. Die City Diaries sind als groß angelegte Sammlung zu verstehen, die immer größer und immer beeindruckender wird. Auch wenn die Bücher selbst in kleinem Format bescheiden bleiben. Das ist vielleicht der Trick dabei.
Notizen und Musik
Notizen in kurzen Abschnitten für jeweils einen Tag begleiten die Reisetagebücher als kurze Einführung. Es sind knappe Aufzeichnungen des Fotografen – keine ausufernde Prosa. „Everywhere you go in the city, Wham’s Last Christmas is blaring form the loudspeakers…“ heißt es bei dem Eintrag vom 16. Dezember 2024 im Palermo Diary. Wer die Fotos genau betrachtet, hört die Musik dazu – ganz klar und leise, weil sie von einer Bar eine Straße weiter kommt.



Die City Diaries von Peter Bialobrzeski sind ein „epochales“ Publikationsprojekt. 50 sollen es insgesamt werden, derzeit erscheinen vier pro Jahr bei Hartmann books. Jedes bescheidene 14 x 21 cm groß und 96 poesievolle Seiten schwer.
genau! dankt Sandra Hofmeister von unserem Medienpartner castellobooks.com für diesen Beitrag.




