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Parkbad Ternitz ©Kriechbaum

Parkbad Ternitz ©Kriechbaum

in orte

Requiem für ein Becken

Andreas VassvonAndreas Vass

Sprungturm und Sprungbecken waren der krönende Höhepunkt des Parkbades Ternitz. Architekt Roland Rainer hatte es 1963 als abgestufte Terrassenlandschaft mit Becken und Nebenbauten aus Sichtbeton in das Gelände gesetzt. Mehrmals umgebaut, erschien es dem Bundesdenkmalamt nicht mehr schutzwürdig. Ein fatales Urteil.

Ein Freibad aus den 1960er Jahren. Für die Stadtgemeinde einer ländlichen Industrieregion ein epochaler Schritt, eine Pioniertat kommunaler Entwicklungsplanung im Geist der Moderne, die weit über die Sport- und Freizeitnutzung hinaus reicht. Das großartig in die Landschaft gebettete Meisterwerk wird weithin beachtet, auch international. Doch das Bad kommt in die Jahre, spätere Sanierungen und Umbauten halten nicht sein ursprüngliches Niveau, zur Jahrtausendwende haben die Bauschäden ein Ausmaß erreicht, dass man sich fragen muss: kann man es langfristig erhalte? Abrissgerüchte machen die Runde…

Es kommt anders: Eine Gruppe um den betagten Architekten der Anlage definiert Leitlinien für die Restaurierung, 2007 wird das Bad unter Denkmalschutz gestellt. Bis 2011 erarbeitet, beschließt und budgetiert die Gemeinde einen Sanierungsplan in sieben Phasen für die nächsten 15 Jahre. Eine kulturelle Leistung, auf die die Stadtgemeinde zurecht stolz ist – und in die sie am Ende über 11 Millionen Euro investiert haben wird.

Bagno Pubblico. Bellinzona ©googlr maps
Parkbad Ternitz ©google maps

Was für das Parkbad in Ternitz ein Wunschtraum wäre, ist in Bellinzona im Schweizer Tessin Realität: Die Restaurierung vom Bagno Pubblico in Bellinzona, das Aurelio Galfetti gemeinsam mit Flora Ruchat und Ivo Trümpy in einem Wettbewerb 1967 konzipiert hat, ist demnächst abgeschlossen. Im Ternitzer Parkbad hingegen, das sehr schön am Zugang des Semmering liegt, wurden vier Wochen vor Weihnachten seine letzten original erhaltenen, zusammenhängenden Bauteile – Sprungbecken und Turm – zerstückelt. Man rettete den Turm und vernichtete das Becken. Das Ternitzer Bad ist deutlich kleiner als sein Schweizer Pendant, seine architekturgeschichtliche und baukulturelle Bedeutung, der soziale, städtebauliche und landschaftliche Anspruch aber sind durchaus vergleichbar. Das Parkbad ist Teil der umfassenden Planungen Roland Rainers für die Neuordnung des Ortszentrums nach dem zweiten Weltkrieg. Ab 1952 entstehen eine Hauptschule, ein Volksheim, eine – wenn auch nur in Teilen realisierte – Werkssiedlung, eine nach Plä…

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