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Gernot Bohmann, Martin Bergmann und Harld Gruendl sind gemeinsam EOOS ©EOOS, Lars Müller

Gernot Bohmann, Martin Bergmann und Harld Gruendl sind gemeinsam EOOS ©EOOS, Lars Müller

in buch

Schmetterling, flieg!

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Vor dreißig Jahren gründeten Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gruendl ihr Design-Studio EOOS. Es ist nach einem der vier Hengste benannt, die den Wagen des Sonnengottes Helios ziehen. Zum runden Geburtstag schenkten sie sich und uns das Buch „EOOS Designing Impact – Wirkung als gestalterisches Ziel“.

Den Schmetterling erkennt man nicht gleich, das Wesentliche begreift man trotzdem sofort. Das Cover ist komplex, vielschichtig, fragil und schön. Viele feine Linien in blau, gelb und rot umkreisen eine elliptische Mitte, folgt man ihnen über die Klappe der Umschlaggseite, sieht man den zweiten Teil. Beide hängen zusammen, sie stehen für die zwei Felder, die EOOS beackert: klassisches Produkt- und Social Design. Die Gestalter wollen sie frei nach Edward N. Lorenz als Schmetterling gelesen wissen, es könnte auch ein Augenpaar oder das Symbol für Unendlichkeit sein. „Löst der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien in Texas einen Tornado aus?“

Designstudio von EOOS ©EOOS
Designstudio von EOOS ©EOOS

Den b2 Werkstattküche für Bulthaup brachte ihnen den internationalen Durchbruch. Sie war nicht cosy, sondern cool, nicht heimelig, sondern schlicht, reduziert auf ihre Essenz. Werkbank statt Küchenblock, Kochplatte statt Herd, weder Ober-, noch Unterschrank, dafür ein Kasten für alles, nichts eingebaut, alles frei stehend, mobil und flexibel. 1995 gründeten Martin Bergmann, Gernot Bohmann und Harald Gruendl ihr Studio und nannten es EOOS – nach einem der vier Hengste, die den Wagen des Sonnengottes Helios über den Himmel zogen. Nach der Mythologie wird Zeus den Sohn des Sonnengottes töten müssen, um die brennende Erde zu retten. Das scheint heute fast visionär. EOOS schöpfen aus der Kraft des Mythos, ihr Weg zu fortschrittlichem Design führt über die poetische Analyse.

Die Kraft des Mythos

„Unsere Sympathie gehört dem Irrtum, dem Paradoxen und dem unmittelbaren Gedanken – eine Reise mit leichtem Gepäck“, formulierten die drei Gestalter anfangs. Dreißig Jahre später reflektieren sie im Buch „EOOS Designing Impact – Wirkung als gestalterisches Ziel“ ihre Arbeit. Es steckt voller Geschichten, Metaphern und schöner, bedeutungsvolle Sätze. Und natürlich voller Fotos von gutem Design und Skizzen. EOOS arbeiten für die besten Firmen der Welt und sind auch dort stets tiefründig. So entwarfen sie für Alessi eine sehr formschöne Urne aus Edelstahl, lifestylish als Life-Pot betitelt. Augangspunkt dafür war die Asche, die von Kleintieren, Katzen, Hunden und Menschen übrig bleibt. Unterschiedlich große Urnen lassen sich zu Stelen schrauben, man könnte die Verbindung zum Haustier auch nach dem Tod aufrecht halten.

Ideenkonzept für Last Pot ©EOOS
Lost Pot für Alessi von EOOS ©Lars Müller Publishers
Ideenkonzept (oben) und Endprodukt des Lost Pot für Alessi von EOOS ©Lars Müller Publishers

Die Werkstattküche b2 begann mit einem Wettbewerb, mit dem Bulthaup nach einem zeitgemäßen Ersatz für die ikonische Küchenwerkbank des Jahres 1988 von Harald Schultes suchte. EOOS überzeugte mit der Idee, unterschiedlich lange Arbeitsplatten zwischen zwei Böcke zu spannen, wie das bei Werkbänken für Holzbearbeitung üblich ist. Die Schwierigkeit, ein passendes Aufbewahrungsystem dafür zu entwickeln, hätte das Projekt um ein Haar beendet. Eine Abbildung der Küche von Papst Pius IV. in Bartolomeo Scappis Kochbuch aus dem Jahr 1570 brachte EOOS dann auf die richtige Fährte.

Küche von Papst Pius IV. ©Lars Müller Publishers

Die Küche von Papst Pius IV (oben) brachte EOOS auf die Fährte des Werkzeugkastens der. b2 Werkstattküche von Bulthaup ©Bulthaup, Lars Müller Publishers

Sie komprimierten das Thema Aufbewahrung zu einer Art Werkzeugkasten, der Küchenutensilien ebenso akurat ordnet und für jedes die perfekte Halterung parat hat. So bleiben die Weingläser in den Klemmleisten der Türinnenseiten auch beim Öffnen und Schließen ungefährdet. Genau sechs Sekt-, sechs Weiß- und sechs Rotweingläser haben Platz. Es gibt Stangen für Schneebesen, Magnetleisten für Messer, Universalbehälter mit Beschriftungsetiketten. Alles formschön, schlicht, reduziert, durchdacht. Ausgangspunkt für die Bemessung des Notwendigen war die Küche von Harald Gruendl. Der Designer kehrte gleichermaßen ihr Innenleben nach außen und legte alle Gegenstände auf dem Boden auf. Gemeinsam sortierte man aus.

Gemeinschaft kochen

Das Wesentlichste an der Küche aber ist das, was dort passiert. Eine Küche nährt in vielerlei Hinsicht. Dort wird gekocht, gegessen, geredet, gefeiert, gestritten, geweint, gebeichtet, versöhnt, gelacht, Gemeinschaft gelebt. Die intensive Forschungsarbeit an der Werkstattküche prägte auch dieses erste „Social Design“-Projekt von EOOS. 2015 kamen 700.000 Geflüchtete in Österreich an, die meisten auf der Durchreise, aber sie waren viele und vorerst nun einmal da. Damals kuratierte Elke Delugan-Meissl den österreichischen Beitrag auf der Architekturbiennale in Venedig. Sie nahm Bezug auf die Situation und lud die Büros Caramel, EOOS und theNextENTERprise ein, einen Leerstand als Zwischennutzung zur Flüchtlingsunterkunft umzufunktionieren.

EOOS wandelten ihre b2 Werkstattküche auf die Bedingungen einer Flüchtlingsunterkunft – mit Schalungsplatten zum Selbstbau ©Lars Müller Publishers

EOOS gerieten ausgerechnet an das Haus Erdberg, eine ehemalige Ausbildungsstelle der Grenzpolizei. Doppelzimmer an Gängen ohne natürliches Licht, aber immerhin zweireihig um die Sanitär- und Erschließungskerne geführt. Diesmal gab das „Utopia“ von Thomas Morus die Richtung vor, die Designer dachten die Flüchtlingsunterkunft als Modell einer utopischen Gesellschaft, in der jeder und jede eine Arbeit hat. Das war gesetzlich nicht möglich, aber sinnstiftend tätig sollten die Geflüchteten sein können – und möglichst unabhängig von automatisierten Essenausgaben. Eine Werkstattküche im Do-It-Yourself-Verfahren war dafür perfekt geeignet. Denn sie schafft mehr als Raum: die Möglichkeit, seine eigene Kultur leben, einbringen und die temporäre Bleibe auf der Durchreise mitgestalten zu können. Auf einem Esstisch kann man sogar einen improvisierten Friseurladen betreiben.

EOOS skalierten die Werkstattküche auf die neue Nutzung und brachen ihr Design auf ein rudimentäres Minimum herunter. Zuletzt gab es 18 piktogrammatische Do-it-Yourself-Anleitungen für elementarste Möbel wie stapelbare Hocker, Tische, Bänke, Wandpaneele. Ein Schalungsplattenhersteller spendete 20 Tonnen Material, ein Akku-Schrauber genügte, um aus zugeschnittenen gelben Schalungsplatten die Möbel herzustellen. Zum Zuschnitt gab es eigene Werkstätten im Haus. Solange sechshundert Menschen die vier Stockwerke des Hauses bewohnten, wurden an die tausend Möbel gebaut. EOOS führten dazu eine Liste. Das Buch zeigt eine Seite daraus: der Hoker mit 58cm Sitzhöhe wurde 224 mal gebaut, der hohe Esstisch 22, der niedrige 24 mal. Darauf wurde Essen aus vielen Lädern gekocht. Erstamals setzten EOOS hier das Prinzip des „Open Design“ um.

Sauberes Wasser für die Welt

Designstudio von EOOS ©EOOS
„Blue Diversity Toilet“ in Theorie und Praxis © EOOS

Für das Schweizer Wasserforschungsinstitut Eawag entwickelten sie eine mobile Toilette, die Urin und Fäkalien trennt. Diese Idee führte zur „Blue Diversion Toilet“ aus blauem Kunststoff ist an die Lebensbedingungen eines Slums angepasst. Sie lässt sich von zwei, drei Menschen durch enge, unbefestigte, schlammige Wege tragen, hat ein integriertes Handwaschbecken, sowie Behälter für Urin und Fäkalien, die abgeholt, aufbereitet und zu Dünger verarbeitet werden. In Ugandas Hauptstadt Kampala kamen sie 2013 erstmals zum Einsatz, seither wird ständig verbessert. Das Nachfolgemodell wandelt Urin schon selbst in Dünger um. Seit 2020 arbeiten EOOS, das Georgia Tech Research Instiute und Helbing Technik an der nächsten Generation.

3D geplotteter Wasserhahn von EOOS ©EOOS
3D geplotteter Wasserhahn von EOOS ©EOOS

Laut einem Informationsplakat der Vereinten Nationen fehlte es 2022 rund 2,2 Milliarden Menschen an einfachsten Handwascheinrichtungen. Inzwischen sind es sicher mehr. Im Globalen Süden gibt es kaum keine hygienischen Wasserhähne, dadurch breiten sich Krankheiten rascher aus. Das kostet Menschenleben. Die Covid-Pandemie verschärfte auch bei EOOS das Bewusstsein dafür. Sie entwickelten ein selbstinitiiertes Modell, das man nicht mit dem Fingern aufdrehen muss, das nur eine bestimmte Menge Wasser abgibt und kostengünstig herzustellen ist. Nachdem sie im Produktdesign mit den größten, renommiertesten Firmen wie Alessi, Lauffen, Armani zuammenarbeiten, ergeben sich langsam auch im „Social-Design“ langsam Kooperationen mit großen internationalen Hilfsorganisation. Mit Unterstützung des Roten Kreuzes und der Welt Hungerhilfe Indien konnten die 3-D gedruckten Prototypen schon mehrere Monate in Schulen getestet werden.

„Design hat seine Wirkung und diese lässt sich beeinflussen. Die Gegenwart erfordert informierte Gestaltung, neue Strategien und ein neues Rollenverständnis der Akteurinnen und Akteure. Für das Design der Zukunft braucht es Mut, Entschlossenheit und Respekt,“ fordern EOOS. Das gilt wohl für uns alle.

EOOS Designing Impact – Wirkung als gestalterisches Ziel

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