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Wotruba International ©Johannes Stoll / Belvedere

Wotruba International ©Johannes Stoll / Belvedere

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Skulpturen im Gespräch

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Plastiken, die sich miteinander unterhalten, erlebt man selten. Die Ausstellung „Wotruba International“ im Belvedere 21 macht es möglich. Sie stellt Werke aller Schaffensphasen von Fritz Wotruba den Arbeiten von Henry Moore, Alberto Giacometti, Marino Marini und anderen Größen gegenüber. Es ist ein Vergnügen, ihren Gesprächen zu folgen.

Die Beziehung von Fritz Wotruba zum Belvedere 21 ist eng. Sie reicht bis zu dessen Ursprung als österreichischer Expo-Pavillon bei der Weltausstellung in Brüssel 1958 zurück. Dafür hatte Wotruba ein großes „Figuren-Relief“ geschaffen, das nun auch in der Ausstellung „Wotruba International“ im Belvedere 21 zu sehen ist. Es ist gleichsam heimgekehrt, denn der Expo Pavillon war als Museum Moderner Kunst im Schweizer Garten wieder aufgebaut und nach der Sanierung durch Adolf Krischanitz (2007 bis 2011) zum Belvedere 21 geworden.

Fritz Wotruba, Paris © Willy Maywald / Bildrecht, Wien 2025, Belvedere, Wien, Nachlass Fritz Wotruba
Fritz Wotruba, Paris © Willy Maywald / Bildrecht, Wien 2025, Belvedere, Wien, Nachlass Fritz Wotruba
Fritz Wotruba in seinem Atelier, 1947_1948  ©Foto: Ernst Hartmann / Bildrecht, Wien 2025
Fritz Wotruba in seinem Atelier, 1947_1948 ©Foto: Ernst Hartmann / Bildrecht, Wien 2025

Fritz Wotruba (1907 – 1975) war einer der bedeutendsten österreichischen Bildhauer der Nachkriegszeit, dass er zu auch international stark rezipiert war, ist bis dato kaum aufgearbeitet. Die Kuratorinnen Verena Gamper und Gabriele Stöger-Spevak tun genau das. „Seine internationale Ausstellungstätigkeit ist nicht gut erschlossen. Wir haben hundert Ausstellungen zwischen 1931 und 1975 auswertet“, sagt Verena Gamper. In Analogie zu den Werkschauen der Vergangenheit werden Wotrubas Arbeiten denjenigen internationaler Zeitgenossen und -genossinnen gegenüber gestellt und eröffnen so einen ganz neuen Blick auf den Künstler.

Fritz Wotruba, Große liegende Figur, 1951–53 Belvedere, Wien, © Johannes Stoll / Belvedere, Wien
Fritz Wotruba, Große liegende Figur, 1951–53 Belvedere, Wien, © Johannes Stoll / Belvedere, Wien
Henry Moore, Reclining Figure / Liegende Figur, 1957 Kunsthaus Zürich, Geschenk Walter und Werner Bär, 1959, Foto: Kunsthaus Zürich © The Henry Moore Foundation. All Rights Reserved, DACS / Bildrecht, Wien 2025
Henry Moore, Liegende Figur, 1957 Kunsthaus Zürich © The Henry Moore Foundation. All Rights Reserved, DACS / Bildrecht, Wien 2025

„Wotruba International“ lässt 40 Skulpturen und Plastiken von Fritz Wotruba auf 15 Werke von Kenneth Armitage, César, Lynn Chadwick, Alberto Giacometti, Barbara Hepworth, Henri Laurens, Jacques Lipchitz, Aristide Maillol, Marino Marini, Henry Moore, Louise Nevelson, Isamu Noguchi, Eduardo Paolozzi, Alicia Penalba und Germaine Richier treffen. So hochkarätige Arbeiten sieht man in Wien nicht alle Tage.

Ausstellungsansicht „Wotruba International“ im Belvedere 21 ©Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Selten war eine Ausstellung über Bildhauerei so spannend. Dazu leistet die Ausstellungarchitekur von the next ENTERprise Architects einen wesentlichen Beitrag. Sie stellten die Steinskulpturen, die bis zu tausend Kilo wiegen, auf eine kantige Topografie aus Wellpappe. Dessen natürliche Anmutung harmoniert gut mit den unterschiedlichen Metallen und Steinen. Die zusammengeklebten Kartonplatten erinnern an Höhenschichtlinien und bilden eine Art Landschaft, die sich auch als Steinbruch assoziieren lässt. Man traut dem armen Material gar nicht zu, so hohe Lasten tragen zu können. Es erwies sich aber als ideal: denn es trägt sie nicht nur, es verteilt sie auch. Das ist wesentlich, die auftretenden Punktlasten vertrüge der Steinboden des Belvedere 21 nicht. Höhe und Proportion der Kartonschichten sind statisch begründet, sie bilden für jedes Exponat spezifisch hohe Plattformen und Podeste aus. Dadurch lassen sich Köpfe, Büsten und Skulpturen umschreiten, finden die Paare angenehm beiläufig zueinander und ist immer eine Zusammenschau des Gesamten möglich. Auch die Hocker sind aus Wellpappe – und lassen sich im Raum herumtragen.

Germaine Richier kannte Wotruba seit den frühen 1940er Jahren, als beide im Schweizer Exil lebten. Zeitgleich zu seiner Einzelausstellung in Paris 1948, wo die „Sitzende Figur“ erstmals öffentlich zu sehen war, stellte sie in der Galerie Maeght aus. Er bekam damals den Titel „Prinz der Bildhauerei“, der Kunstkritiker Bernard Dorival hätte Richier damit gekrönt. Das hinderte beide nicht daran, einander ein Leben lang in Freundschaft verbunden zu sein. 1959 fand im Museum of Modern Art die Schau „New Images of Man“ statt. Sie fragte nach der Darstellbarkeit des Menschen im Schatten des Holocaust und anderer Verbrechen des zweiten Weltkriegs. Von 23 internationalen Kunstschaffenden – unter anderem Francis Bacon, Jean Dubuffet, Willem de Kooning, Kenneth Armitage, Alberto Giacometti, Eduardo Paolozzi – war Fritz Wotruba der einzige Österreicher, den Kurator Peter Setz zur Teilnahme einlud. Er zeigte dessen „Kopf“, die „Große Stehende FigurI (mit erhobenen Armstümpfen) und einen Bronzeabguss seiner Sitzenden Figur (der „Denker“). In dieser Ausstellung war auch Germaine Richiers „Grashopper/ Die Heuschrecke“ vertreten.

Fritz Wotruba, Große sitzende Figur („Menschliche Kathedrale“), 1949 Belvedere, Wien, © Johannes Stoll / Belvedere, Wien Wotruba_Große sitzende Figur - Menschliche Kathedrale_1949_0
Fritz Wotruba, Große sitzende Figur („Menschliche Kathedrale“), 1949 Belvedere, Wien, © Johannes Stoll / Belvedere
Germaine Richier, "Die Heuschrecke", 1946_1956, Kunstmuseum Bern, Foto: Kunstmuseum Bern © Bildrecht, Wien 2025
Germaine Richier, Die Heuschrecke, 1946/1956 Foto: Kunstmuseum Bern © Bildrecht, Wien 2025

Im Belvedere 21 begegnen die beiden einander wieder. Die ausgezehrte Frauengestalt der „Heuschrecke“ aus Bronze ist 138,5 x 96 x 170 cm groß, 400 kg schwer und hat mit tastendem, formsuchenden Kneten zu ihrer fragilen Gestalt gefunden. Auf ihren zittrigen, überlangen Beinen hockt sie neben Wotrubas „Große Sitzende Figur, Menschliche Kathetrale.“ Sie ist 153 x 79 x 73 cm groß, 510 kg schwer und aus Mannersdorfer Kalkstein. Auf den ersten Blick wirkt sie in ihrem blockhaften Aufbau und dem introvertiert geneigten Kopf wesentlich statischer, beim genaueren Betrachten zeigen sich die Spuren ebenso tastender Schläge mit Hammer und Meisel, bemerkt man die Verletzlichkeit und den Balanceakt in der Haltung, der auch die Heuschrecke prägt. Sie sind Seelenverwandte. „Die menschliche Figur ist für mich nach wie vor Anlass meiner Arbeit, sie steht am Beginn und wird am Ende stehen. Ich sehe das Thema durch nichts beschränkt und so aktuell als je. Der Mensch in seiner körperlichen Realität ist für mich als Bildhauer nicht so wichtig wie seine seelische Vielschichtigkeit“, so Wotruba.

Zwischen 1931 und 1975 war sein Werk in insgesamt 70 Einzelpräsentationen zu sehen, fünfzig davon international. Bereits sein erster Soloauftritt 1931 im Museum Folkwang in Essen brachte dem damals gerade 24jährigen Anerkennung. 1932 feierte er sein Debüt auf der Biennale die Venezia, wo er fünf Mal vertreten war. 1957 wurde Wotruba auf der Biennale von São Paolo gezeigt, das New Yorker MoMa, das Hirschwang Museum und viele andere große Häuser kauften Werke von ihm an, trotzdem drang er nicht an die Weltspitze vor. Ab den 1960er Jahren verändert sich der Skulpturenbegriff, weg vom Objekt in Richtung Zeit, Ort, Prozess, Publikum. Das allein genügt als Erklärung nicht. „Warum konnten sich Marina und Moore halten, obwohl Wotrubas Skultpturen sehr subtil zwischen Architektur und Kunst changieren?“, fragte sich Donald Judd 1965. „Vielleicht fehlte ihm die englische Sprache.“ Dazu kam, dass Steinskulpturen schwerer zu transportieren sind als Bronze, leichter brechen und sich wesentlich schlechter verkaufen. Die „Große Stehende Figur“ aus Carrara Marmor von Fritz Wotrube – eine aus Blöcken komponierte, schlank aufragende Stele – 1,95 x 27 x 58 cm – wiegt 240 Kilo, Alberto Giacomettis „Stehende Frau“ aus Messing – 167.5 x 16,5 x 34 cm – gerade einmal 18 Kilo.

Lynn Chadwick, Fremder, Eisen, Mix aus Gips und Eisenfeilspänen
Fritz Wotruba, Heiliger Georg ©Marboe
Marino Marini, Wunder, Bronze, 169x280x180cm, 500 kg ©Marboe
Germaine Richier, Die Heuschrecke, 1946/1956 ©Marboe

Trotzdem war der Stein immer Wotrubas liebstes Material, er bekannte sich freimütig zum „Fronvertrag des Bildhauers“, der sein Leben lang dem Stein Widerstand leistet und dabei immer tiefer in ihn hineinarbeitet. „Der Stein ist für den Menschen, der ihn behaut wie für das Werk das sicherste Gefängnis, das er sich selbst macht.“ Für Wotruba sind Kunst und Handwerk eine Einheit, in jeder seiner Arbeiten ist das Behauen des Steins sicht- und spürbar. Das stete Bearbeiten und Aufeinanderschlichten unterschiedlich hoher, schwerer Steinblöcke ist ebenso charakteristisch für ihn wie seine Liebe zur menschlichen Figur, die lange in seinen abstrakten Plastiken spürbar blieb. Viele Themen variiert er mehrfach, der Weg von der Figur zur Abstraktion in seinem Werk wird hier ebenso deutlich wie dessen Vielfalt. Beides ist auch in den vielen hier ausgestellten Köpfen, Skizzen und Zeichnungen sehr gut zu sehen.

Wotrubas Kirche am Georgenberg ist eine Zäsur. Sie begann mit einem Tonmodell, war als Architektur gedacht und wurde schließlich aus 152 mächtigen, unverkleideten Betonblöcken errichtet. Sie sind bis zu 141 Tonnen schwer, der höchste misst 13, 10 Meter. Wotruba behandelte sie wie eine Skulptur, es bedurfte des Architekten Georg Mayr, um sie als sakrales Bauwerk umzusetzen. In dieser Kirche muss Glas den Freiraum und ein Dach den Himmel ersetzen, trotzdem kommt sie einer Skulptur so nahe wie Architektur es nur kann. In ihr vollzieht Wotruba den Schritt in die Abstraktion unmissverständlich zur Gänze und löst sich aus dem Fronvertrag des Bildhauers. Ihre Eröffnung erlebte er nicht mehr.

Zur Ausstellung ist ein ebenso empfehlenswerter, hochinformativer Katalog erschienen.

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