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Stadt, Land, See

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Die Wiener Seestadt Aspern ist eine Stadt in der Stadt und mit 240 ha Fläche eines der größten Stadtentwicklungsgebiete in Europa. Ein Blick zurück an den Start und ein Spaziergang durch die Gegenwart.

Erster Adventsonntag, Dreiviertel fünf Uhr nachmittags, schon finster, dazu nebelig: nicht die ideale Zeit für die Seestadt Aspern. Dafür schaut die Skyline, die sich im nachtschwarzen Seewasser spiegelt, fast wie eine Miniaturausgabe von Chicago aus. Doch Wien sollte nie Chicago werden, die Seestadt ist davon meilenweit entfernt. Statt Autobrücke ist Fußgängersteg, denn die Zukunft liegt in der sanften Mobilität und die Weichen dorthin werden in Aspern gestellt. Tatsächlich ist sie weitgehend autofrei. Und damit nah an der Idee der Gartenstadt. Dem stehen allerdings die hohen Häuser massiv im Weg.

3D-Modell der Seestadt © Wien 3420

Das Gesamtareal der Seestadt umfasst 240 Hektar, sie ist noch am Werden und befindet sich im letzten Viertel ihrer Inkubationszeit, fünf Jahre fehlen noch bis zum Plansoll von mehr als 25.000 dort wohnenden, 20.000 dort arbeitenden, sowie einigen forschenden, lehrenden und lernenden Menschen. Das entspricht den Städten Krems, Lustenau, Mödling, Kufstein oder Wels und liegt nur 5.000 Einwohner und Einwohnerinnen unter Bregenz. Bisher sind rund 5.000 Wohnungen gebaut, in denen 12.000 Menschen leben, dazu kommen über 600 Unternehmen mit mehr als 6.000 Beschäftigten. Sonderbauten wie Theater, Kinos, Kirchen oder Museen wird man in der Seestadt kaum finden. Das heißt, es gibt sie, aber eher spärlich und punktuell in der Pop-Up-Variante.

Das Flaggschiff der seestädtischen Kulturinstitutionen ist die sogenannte „Kulturgarage.“ Sie ist das Resultat eines Bauträgerwettbewerbs eines Bauplatzes im IBA-Quartier „Am Seebogen“, den die gemeinnützige Wohnbauvereinigung WBF-GFW mit der „Kulturgarage“ gewonnen hat. Die Idee spielt mit dem Bautyp Garage und lädt ihn mit einem niederschwelligen Kulturangebot auf. Das „für Wien einzigartige Konzept“ ist gleichermaßen ein ressourcenschonend gebauter Kultur-Drive-In mit Garage am Dach. Unten das zweistöckige Veranstaltungszentrum mit seinem Zuckerkandl- Saal für 450 Besucher*innen plus Galerie, moderner Bühnentechnik und Volkshochschule, darüber ein Parkhaus mit 537 Parkplätzen. Noch dazu mit E-Ladestation und in U-Bahnnähe. Schließt man aus dem Web, könnte der Spielplan mehr Verdichtung vertragen. Den gewitzten Bau mit dem spezifischen Farbcode auf der Schuppenfassade planten faschundfuchs. Ihnen verdankt auch das angrenzende Pionier-Quartier die Bundesschule Aspern, eine der schönsten des Landes. Allein sie wäre die Fahrt in die Seestadt schon wert.

©Luiza Puiu
Kulturgarage, geplant von faschundfuchs ©Wien 3420

Als eines der größten Stadtentwicklungsgebiete Europas war die Seestadt schon öfter auf der Architekturbiennale Venedig vertreten. Lange vor den ersten Bewohnern kam die verlängerte U2 in der Seestadt an. Das war eine Großtat und ein Lernen aus Fehlern der Vergangenheit. Auf ihrer Strecke streift sie in Hochlage den Städtebau der letzten Dekaden. Carl Auböcks schlichte Wohnriegel in der Vorgartenstraße, das Viertel Zwei, die Donauplatte, den Mühlgrund, die riesigen Baufelder der Zukunft. Der grüne Einkaufstrolley aus wiederverwertbarem Mate…

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