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AUVA Zentrale © Andreas Vass

AUVA Zentrale © Andreas Vass

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Sein oder nicht sein

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Der Begriff Denkmal scheint antiquiert, doch er hat es in sich. Denn Denkmalschutz kann die Existenz eines abrissgefährdeten Bauwerks retten. Das birgt Risiken.

Das Thema ist virulent, komplex und gibt was her. Allein zwischen 1951 und 2011 hat sich der Gebäudebestand in Wien mehr als verdoppelt, die Zahl sanierungsreifer, altersschwacher Häuser ist gewaltig. Wo das Kapital regiert, Immobilien solide Wertanlagen sind und die Abrissbirne überall lauert, weil mit Neubau gut Geldverdienen ist, kann ausgerechnet der Denkmalschutz zum Rettungsanker für bedrohten Bestand werden. Doch bei weitem nicht jeder Altbau ist ein Denkmal und allein die Prüfung einer Unterschutzstellung wurde schon manchem zum Verhängnis. Bauten inflationär zu Denkmälern zu erklären, um ihre Existenz zu retten, überfordert die Kapazitäten des notorisch unterdotierten Bundesdenkmalamts, bindet Ressourcen, schwächt dessen Autorität, gefährdet dessen Existenz und den Konsens über das, was unsere Baukulturgeschichte bildet.

Stolzes Flaggschiff einer Ära: AUVA Gebäude ©Mario Buda, 2026 werkimbild

Viele davon sind Abrisskandidaten, einige könnte eine Unterschutzstellung retten. Das verweist auf eine klaffende Lücke: es bräuchte dringend ein anderes Instrumentarium, um den mehr oder weniger willkürlichen Abriss von Bauten zu verhindern, die zwar keine Denkmäler, aber deshalb noch lang keine schlechten Bauten sind. Mehr noch: womöglich sogar schlechte Bauten sind, trotzdem aber große Mengen an CO2 in Form von grauer Energie speichern. Dieser Ansatz ist nicht mehr oder weniger als ein Aufruf zu einer neuen Baukultur – einer neuen Form des Umgangs mit Bestand. Europaweit macht sich die Bürgerinitiative „House Europe“für Erhalt, Umbau, Aufstockung, Nach- und Neunutzung stark, auch die Architektenkammer hat längst begriffen, dass die Zukunft im Bestand ist und fordert statt der Bau- eine Umbauordnung ein. Und das, obwohl der Neubau lange die Existenzgrundlage des Berufsstandes war.

Die Alte WU ©Marboe

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