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Massentourismus auf französisch: Luftbild der ferialen Gartenstadt La Grande-Motte an der französischen Mittelmeerküste (Chefarchitekt: Jean Balladur) Office de Tourisme Grande-Motte – CRTL Occitanie © C. Baudot

Massentourismus auf französisch: Luftbild der ferialen Gartenstadt La Grande-Motte an der französischen Mittelmeerküste (Chefarchitekt: Jean Balladur) © C. Baudot

in ausstellung

Über Tourismus

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Flugscham ist nur die Spitze vom Eisberg, die Folgen des weltweiten Tourismus reichen viel weiter. Er verbraucht enorme Ressourcen, formt ganze Landschaften um, verändert Dorfstrukturen, Wohnungsmärkte und soziale Gefüge in Stadt und Land. Das Architekturzentrum Wien konzipierte dazu eine großartige Ausstellung, die nun im oberösterreichischen Vorchdorf Station macht.

Tourismus ist ein boomender Wirtschaftszweig, Wachstumsraten von 4% fordern ständig neue Sensationen. Die Branche lebt in hohem Maß von Erwartungen und Illusionen, fast alles ist buchbar. Die Ausstellung „Über Tourismus“ leuchtet gleichermaßen die ernüchternde Wirklichkeit hinter den schönen Bildern aus. Sie zeigt Entwicklungen auf, Schattenseiten und Langzeitfolgen. Tourismus wirkt sich aus, verändert Dorfstrukturen, Land- und Ortschaften, macht Städte für die lokale Bevölkerung kontinuierlich unleistbarer und verursacht immerhin 8% des weltweiten CO2-Ausstosses. Der Klimawandel wird in der Branche erstaunlich wenig thematisiert, obwohl der Tourismus gerade von der Sehnsucht nach Schnee und Sonne lebt. KI generierte Klimaszenarien von Obergurgl in Tirol, Lignano, Paris und dem Neusiedlersee zeigen, wie sich diese Destinationen bis 2100 entwickeln könnten. Letzterer dürfte zu einer dystopischen Moorlandschaft mutieren, dafür werden einige Orte an der Oberen Adria im Meer versunken sein.

„Tourismus ist ein sehr komplexes Phänomen, das auch massive Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung hat“, sagt Angelika Fitz, die Direktorin des Architekturzentrum Wien, dem mit dieser Schau eine seiner besten Ausstellungen gelungen ist. „Wir haben uns bewusst gegen eine historische Ausstellung entschieden.“ Die Branche erfindet sich ständig wieder neu und wird nicht nachhaltiger. Städtetrips übers Wochenende gehören für viele längst zum westlichen Lebensstil, Menschen reisen heute wesentlich öfter und bleiben dafür wesentlich kürzer, das kostet Ressourcen und verschlechtert die CO2-Bilanz. Frankreich reagierte bereits und verbot alle Flüge zu Destinationen, die in zweieinhalb Stunden mit dem Zug erreichbar sind.

Venedig hat die Reissleine gezogen: Seit August 2021 dürfen Kreuzfahrtschiffe einer bestimmten Größe nicht mehr durch die Stadt fahren © Steve Varn…</p>
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