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Ausstellung "Eisenbeton - Anatomie einer Metropole" © Sigi Loos

Ausstellung "Eisenbeton - Anatomie einer Metropole" © Siegi Loos

in ausstellung

Weltstadt im Werden

Isabella MarboevonIsabella Marboe

Der Titel „Eisenbeton – Anatomie einer Metropole“ mutet technoid an. Dabei entführt diese Sonderausstellung im Wien Museum in die pulsierende Epoche einer Stadt im Umbruch. Danach wird man Wien um 1900 mit neuen Augen sehen.


„zittert man nicht, wenn ein haus in der inneren stadt abgebrochen wird, bei dem gedanken, welche scheußlichkeit sich an seiner stelle breit machen wird? Und so zitterte auch ich, als das eckhaus kärtnerstraße und himmelpfortgasse fiel“, bekannte Adolf Loos. Damals fielen in der Inneren Stadt viele Häuser, denn Wien wurde Metropole. „aber welche freude: es enstand ein bau, der wie eine fortsetzung des alten stadstils klingt, bescheiden, ruhig, vornehm.…..ich aber sage dem unbekannten erbauer meinen dank.“ Architekt Karl Hofmeister plante das neue Stadthaus am Eck in einer hochinnovativen, neuen Technologie. Der gesamte Hochbau inklusive Dachgeschoss ist aus Eisenbeton, die Konstruktion minimiert. Acht Pfeiler aus Beton und schmale Decken genügen für eine maximal offene Raumstruktur, die Fassade aus gegossenem, rohen Beton ist zu dieser Zeit ziemlich einzigartig.

Eisenbetonkonstruktionen waren sehr belastbar und ermöglichten große Spannweiten – für Kinos, Varietés und Theater © Siegi Loos

Eisen ist auf Zug besonders belastbar, Beton auf Druck. Die brandneue Technologie Eisenbeton verbindet beides kraftschlüssig zu einem enorm effizienten Material, das die Voraussetzungen zur Metropole schuf. Die Sonderausstellung „Eisenbeton – Anatomie einer Metropole“ im Wien Museum entwirft auf knappem Raum ein reiches Panorama dieser Zeit des gesellschaftlichen, bautechnologischen, urbanistischen Umbruchs. Sie wurde von Andreas Nierhaus und Eva-Maria Orosz kuratiert, ihre Basis bildet die intensive Forschungsarbeit von Otto Kapfinger. Er entdeckte die hochintelligenten, schlanken Eisenbeton-, Mischkonstruktionen hinter den mitunter opulenten Fassaden. Wände konnten durch Pfeiler ersetzt, Räume wesentlich großzügiger und Spannweiten viel weiter werden. Das führte zum neuen Typus des Stadthauses, in dem sich viele Nutzungen überlagern ließen. Wohnen auf Büro über Geschäft auf Kino. Dieser analytische Blick auf die statischen Strukturen der Gebäude erneuert die Sicht auf Wien um 1900.

Looshaus (1927–29), © Bruno Reiffenstein, Wien Museum © kunstdokumentation.com

Auch das Loos-Haus am Michaelerplatz ist aus Eisenbeton. Doch Loos, dessen geschossübergreifender Raumplan den Grundriss in die Vielschichtigkeit einer dritten Dimension erweiterte und damit die moderne Architektur erneuerte, interessierte die Konstruktion weniger als die symbolische Botschaft. Er „bekleidete“ den Eisenbeton, der auch die monolithischen Kolossalsäulen am Entrée entlastet, mit Verputz und wertvollem Marmor. Nur an der Hofseite liegt die Konstruktion offen. Trotz vornehmer äußerer Erscheinung und innerem räumlichen Reichtum wurde das Haus am Entrée zur Hofburg unbarmherzig als „Scheusal von einem Haus“ abgeurteilt.

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