Architektur ist in Albanien Chefsache. Schon als Bürgermeister von Tirana holte der heutige Premier Edi Rama die internationale Architekturszene ins Land. Lokale Büros spielen eine untergeordnete Rolle. Architektur in Albanien bewegt sich zwischen politischer Macht, internationalen Namen und lokaler Ohnmacht. Ein Kommentar zur aktuellen Architekturpolitk in Albanien.
Jedes Mal, wenn wir nach Albanien zurückkommen, wissen wir, dass es anders aussehen wird als beim letzten Besuch. Mittlerweile ist es ein Spiel: Was ist neu, was umgebaut, was abgerissen? Das Land ist eine Dauerbaustelle. Doch die enorme Bautätigkeit bedeutet nicht automatisch, dass auch die lokale Architekturszene davon profitiert. Je sichtbarer die Transformation wird, desto drängender die Frage, wer sie eigentlich plant, wer über sie entscheidet und für wen überhaupt gebaut wird.
Wer heute durch Tirana oder die Küste entlang fährt, begegnet einer erstaunlichen Dichte internationaler Namen wie etwa BIG, MVRDV, OMA, Kengo Kuma oder Steven Holl. Architektur erscheint als Motor eines Landes im Aufbruch, das sich neu erfindet und Richtung Westen orientiert. Dass sich gebaute Umwelt als politisches Bild einsetzen lässt, zeigte Edi Rama bereits als Bürgermeister von Tirana. Er ließ Fassaden von Wohngebäuden in kräftigen Farben und mit ungewöhnlichen Motiven bemalen – eine einfache Intervention, die der Stadt internationale Aufmerksamkeit brachte.

Was an Fassaden begann, hat sich auf einen größeren Maßstab und in die Vertikale übertragen: historische Plätze werden umgestaltet, Wohntürme, Hotels und Kulturbauten errichtet. Bauen wird stark auf nationaler Ebene verwaltet. Der Nationale Territorialrat entscheidet seit 2025 über Bauentwicklungen entlang der Küste und landesweit über Gebäude mit über sechs Geschossen.1 Er untertsteht dem Premierminister und verfügt somit über weitreichende Entscheidungsgewalt. Architekturpolitik bedeutet hier Regeln fürs Bauen festzulegen und darüber hinaus zu entscheiden, welche Projekte möglich sind, welche Akteur:innen Zugang erhalten und welches Bild des Landes gebaut wird.
Ein Land baut sein Image
Für internationale Büros ist Albanien ein außergewöhnlicher Ort, um zu bauen. In der Kommunikation vieler Großprojekte stehen ihre Namen im Vordergrund; l…







